fullscreen: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Heinrich IV.; Königtum und Papsttum im Kampfe. 327 
dementsprechend das Ernennungsrecht der Bischöfe an sich ge— 
rissen hatten, im Gegensatz zu dem altchristlichen Ideal der 
ectio per clerum et populum. 
Diese ganze Entwicklung war — dies liegt offen zu Tage 
— nur möglich geworden, weil die Laienwelt das Christentum 
seinen innerlichen Funktionen, Gaben und Kräften nach eigent— 
lich noch nicht hatte kennen lernen: indem sie zu einer vollen 
Veräußerlichung der Kirche führte, war sie ein Ergebnis der 
ersten Periode einer nur äußerlichen Annahme des Christen— 
tums durch die deutschen Stämme. 
Aber nun war dieser ersten Periode seit dem 10. Jahr⸗ 
hundert eine zweite gefolgt! Eine Periode erster innerlicher 
Aufnahme des neuen Glaubens, einer frühesten christlich-ger⸗ 
manischen Frömmigkeit! War es da nicht natürlich, daß diese 
Periode alsbald neuen Geist in die erstarrten Formen der ver—⸗ 
äußerlichten Kirche zu gießen versuchte? Daß es ihr un— 
erträglich war, zu sehen, wie die Kirche, ihres eigenen Charakters 
entkleidet, unter laienhafter Behandlung litt? Nicht zufällig 
gelangte die lothringische Frömmigkeitsbewegung alsbald zu 
kirchenrechtlichen und kirchenpolitischen Forderungen, und sehr 
begreiflich gipfelten diese Forderungen in dem Rufe nach 
Freiheit der Kirche vom Staate 
Indes die Frömmigkeitsbewegung an sich war nicht stark 
genug, um unter diesem Feldgeschrei zu siegen. Frömmigkeit 
heißt im Grunde doch immer wieder Selbstbesinnung, Einsam— 
keit, Weltabgestorbenheit: erst wenn sich die ordentlichen Ge— 
walten der Kirche des Programms der neuen Frommen be— 
mächtigten, hatte es Aussicht auf Erfolg. Und auch hier war 
es wiederum schwer, wenn auch nicht unmöglich, daß es die 
Bischöfe des Landes selber durchführten. Wie anders, wenn 
an ihrer Statt der pontifex maximus der abendländischen 
Kirche, der Papst eingriff! Und dies eben war die Wendung, 
welche die Dinge nunmehr, seit dem 11. Jahrhundert, ge— 
nommen haͤtten. 
Sehen wir aber von diesem noch immer verhältnismäßig 
äußerlichen Verlaufe ab, so ist es bei noch tieferer Betrachtung
	        
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