Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Heinrich IV.; Königtum und Papsttum im Kampfe. 329 
und Ostens, fiel die hauptsächliche Sorge um die dänischen und 
slawischen Grenzen zu. 
In diese Verhältnisse griff das Reich unter Heinrich IV. 
erst dann wieder kräftiger ein, als der bremische Erzbischof und 
der sächsische Herzog in Gegensatz zu einander gerieten. Und 
nun wirkte es zu Gunsten des Erzbischofs Adalbert, des Freundes 
des Königs, selbst dann noch, als dieser unter der Wucht fürst— 
lichen Hasses vom Hofe hatte weichen müssen. Doch ließen sich 
Herzog Rudolf von Sachsen und sein Sohn Magnus dadurch 
nicht abhalten, den Erzbischof kriegerisch zu bedrängen und 
finanziell zu ruinieren: und indem ihnen dies gelang, offen⸗ 
barte sich die ganze Ohnmacht des Reiches in den nordsächsischen 
Gegenden. 
Nun hatte schon Heinrich III. versucht, den Anfängen dieser 
unglücklichen Entwickelung ein Gegengewicht zu geben, indem er 
im Süden des Landes, in Goslar, häufig residierte: der un— 
mittelbare Einfluß des königlichen Hofes sollte die Sachsen dem 
Hofe gewinnen. Darin fuhr Heinrich IV. fort; unter ihm 
ward Goslar noch mehr wie unter seinem Vater zu einer der 
schönsten Städte des Harzgebietes; neben der königlichen Pfalz 
erhob sich bald manch stolzes Stift, und nicht fern von der 
Stadt sahen die Zinnen der festen Harzburg ins Land. Allein, 
die Sachsen bemerkten all diesen Glanz weniger als die für 
sie damit wie mit jedem Aufenthalt des königlichen Hofes ver— 
knüpften Lasten; der König blieb ihnen fremd. Und als Hein— 
rich gar auf den Vorbergen des Harzes und des Thüringer— 
lands noch weitere Burgen zu bauen begann, entsprechend dem 
regen Eifer seiner Zeit für Burgenbau überhaupt, da ward 
der mit diesen Bauten verbundene Frondienst, die Einquartierung 
königlicher Dienstmannen, die Einordnung der neuen, fremden 
Elemente überhaupt Anlaß zu unmittelbarer Beunruhigung. 
Mißtrauisch, wie man war, raunte man sich dunkle Geheimnisse 
zu über Pläne des Königs zur Benachteiligung der Freien, zur 
Unterdrückung der Großen, zur Knechtung, ja Vertilgung des 
ganzen berühmten Sachsenstammes. 
Und eine Reihe weiterer Maßregeln umgab diese Gerüchte
	        
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