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Die Gesetze der Verteilung.
Buch III.
als an anderen. In ihren Graden steigen und fallen die Löhne einem
gemeinsamen Gesetze zufolge, welches ist dies Gesetz?
Das Fundamentalprinzip menschlicher Tätigkeit — das Gesetz
welches für die Nationalökonomie dasselbe ist, wie das Gesetz der Schwere
für die Physik — besteht darin, daß die Menschen ihre wünsche mit
der geringsten Anstrengung zu befriedigen suchen. Offenbar muß dies
Prinzip durch die Konkurrenz, die es veranlaßt, den Lohn, der unter
gleichen Verhältnissen durch gleiche Anstrengungen erzielt wird, aus
gleichen. Arbeiten die Leute für sich, so wird diese Ausgleichung stark
durch den Ausgleich der Preise beeinflußt werden, und zwischen den
jenigen, welche für sich arbeiten und denjenigen, welche für andere
arbeiten, wird das gleiche Streben nach Ausgleichung obwalten, welches
werden nun diesem Prinzip zufolge in einem Zustande der Freiheit
die Bedingungen sein, unter denen jemand andere dingen kann, damit
sie für ihn arbeiten? Offenbar werden sie dadurch bestimmt werden,
was die Leute verdienen können, wenn sie für sich arbeiten. Das Prinzip,
welches ihn verhindern wird, ihnen mehr zu geben, als was nötig ist,
um sie zu der Änderung zu veranlassen, wird andererseits sie verhindern,
weniger zu nehmen. Verlangten sie mehr, so würde die Konkurrenz
anderer sie keine Beschäftigung finden lassen. Böte er weniger, so würde
niemand die Bedingungen annehmen, da sie mehr verdienen, wenn sie
für sich arbeiten. Obgleich somit der Arbeitgeber so wenig als möglich
zu zahlen und der Arbeiter so viel als möglich zu erhalten wünscht, wird
doch der Lohn durch den wert oder Ertrag bestimmt werden, den die
Arbeit für die Arbeiter selbst hat. wird der Lohn zeitweilig über oder
unter diese Linie gebracht, so entsteht unverzüglich die Tendenz, sie dahin
zurückzuführen.
Indes hängt das Resultat oder der verdienst der Arbeit, wie man
aus den ersten und ursprünglichsten Beschäftigungen aller Arbeit, die
auch in der höchstentwickelten Gesellschaftsverfassung noch die Grundlage
der Produktion bilden, leicht ersehen kann, nicht bloß von der Wirksam
keit und Oualität der Arbeit selbst ab. Die Güter sind das Produkt
zweier Faktoren, des Grund und Bodens und der Arbeit, und was eine
gegebene Summe von Arbeit leistet, wird je nach den Naturvorteilen,
auf die sie gerichtet ist, variieren. Ist dies so, so wird das Prinzip, daß
die Menschen ihre wünsche mit der geringsten Anstrengung zu befriedigen
suchen, den Lohn an das Produkt der Arbeit auf dem ihr zugänglichen
Punkte der höchsten natürlichen Produktivität knüpfen. Kraft desselben
Prinzipes wird der der Arbeit zugängliche höchste Punkt der natürlichen
Produktivität unter obwaltenden Verhältnissen der niedrigste Punkt
sein, bei welchem die Produktion fortdauert; denn die Menschen, an
getrieben durch ein höchstes Gesetz des menschlichen Geistes, die Be
friedigung ihrer wünsche mit der geringsten Anstrengung zu suchen,
werden keine Arbeit bei einem niedrigeren Punkte der Ergiebigkeit
aufwenden, solange ihnen ein höherer offen steht. Somit wird der