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natürlich nicht anzunehmen. Folglich geht die gesteigerte Be
friedigung der geistigen auf Kosten der Deckung der physischen
Bedürfnisse vor sich.
So werfen die Arbeiterbudgets ein helles Licht auf die Vertei
lung der Produktivkräfte der sich entwickelnden kapitalistischen
Gesellschaft. Einerseits steigt die Produktion von Arbeitsmitteln,
zu der der Kapitalist veranlaßt wird, um erfolgreich aus der Kon
kurrenz hervorzugehen und sich einen erhöhten Profit zu ver
schaffen. Andererseits werden immer mehr Gegenstände produziert,
die die geistigen und ästhetischen Bedürfnisse befriedigen, weil
in den Bedürfnissen der Arbeitermassen eine Änderung vor sich
gegangen ist: die geistigen Bedürfnisse spielen eine solche Rolle,
daß sie auch auf Kosten der anderen befriedigt werden.
Die wirtschaftliche Entwicklung des Landes wird von jeder
Gesellschaftsklasse auf ihre eigene Art ausgenutzt. Die Grund
besitzer verwenden die steigende Rente auf ihre Weise. Die Kapi
talisten suchen das fixe Kapital zu erhöhen, um dadurch ihre Pro
fitquelle reicher zu machen, obgleich auch dies durch eine relative
Verminderung des persönlichen Konsums der kapitalistischen
Gesellschaft und insbesondere der Arbeiterklasse. Die Arbeiter
streben bei Einschränkung ihrer physischen Bedürfnisse nach
erhöhter Befriedigung der kulturellen Bedürfnisse.
Die Bourgeoisie tritt also ihre Führerschaft im geistigen Leben
immer mehr an die Arbeiterschaft ab, um fixes Kapital zu ver
mehren. Das Kapital dient ihr als Mittel ihrer wirtschaftlichen
Herrschaft; der Arbeiterklasse dient das kulturelle und geistige
Wachstum als Mittel zu ihrer Befreiung. Jede Klasse wirkt, ohne
dies selbst einzusehen, durch ihre Bedürfnisse auf die Verteilung
der Produktivkräfte in der Gesellschaft und schmiedet sich die
Waffen im sozialen Kampfe.
VI.
Seit 1897 hat Rußland keine Gewerbezählung mehr vorge
nommen. Deshalb können wir auch nicht sagen, wie sich die
Verteilung der Produktivkräfte hier seitdem entwickelt hat. Da
für bietet ein Vergleich zwischen Deutschland und Rußland