Full text: Die Zollgesetze der österreichisch-ungarischen Monarchie nach dem gegenwärtigen Stande der Gesetzgebung nebst allen auf die Einhebung und Verwaltung der Zölle Bezug habenden Vorschriften und Erlässen

482 Dreizehntes Buch. Drittes Kapitel. 
die Freiheit der Handelswege durch die deutschen Fürstentümer 
aufrecht, obwohl diese sich von Jahr zu Jahr mehr in sich 
festigten. Dies Zusammenhalten auf kommerziellem Gebiete 
gab ihnen dann auch noch so viel politischen Einfluß, daß es 
gelang, auf längere Zeit noch die Hansestädte Westfalens und 
Niedersachsens der Umgarnung und Einverleibung durch die 
Landesgewalten zu entziehen. So wurden Quedlinburg und 
Halberstadt vor den sächsischen Herzögen, Magdeburg vor dem 
GErzbischof, Eimbeck und Göttingen vor den Braunschweigern, 
vor allem aber Rostock vor den Herzögen von Mecklenburg ge⸗ 
schützt. Indes seit etwa 1490 trennten sich die Interessen auch 
der sächsischen und der wendischen Städte einschließlich etwa 
Bremens, Hamburgs und Lüneburgs. Den Angriffen der 
Landesherren gegen die Hansestädte Hildesheim, Goslar und 
Hannover trat niemand mehr entgegen; Braunschweig mußte 
sich 1492 einem welfischen Schutzherrn unterwerfen. Darauf 
machte im Jahre 1498 Bremen den Versuch, der gesamten Hanse 
auf einem gemeinen Hansetage seinen Erzbischof als Schutz⸗ 
herrn aufzudrängen: die innere Zerklüftung der Hanse trat 
damit nicht minder zu Tage, wie ihre Unterlegenheit gegen⸗ 
über dem norddeutschen Fürstentum. 
So war gegen Ausgang des 15. Jahrhunderts der Rück— 
gang der Hanse nach allen Seiten hin besiegelt. Mochte auch 
der hansische Handel, entsprechend der zunehmenden Kultur und 
Konsumtionsfähigkeit der Ost- und Nordseevölker, seiner abso— 
luten Höhe nach vielleicht noch immer wachsen: das politisch⸗ 
merkantile Übergewicht zu Lande wie die alte Seeherrschaft 
waren gebrochen und der Bund selbst von inneren Gegensätzen 
beherrscht: in den Jahren 1476 bis 1494 fand nur noch ein 
gemeiner Hansetag statt: der volle Verfall war nur noch eine 
Frage der Zeit. 
V 
Das 16. Jahrhundert und noch ein Teil des 17. Jahr⸗ 
hunderts umfassen die Periode des langsamen Dahinsiechens 
der Hanse. Während im Beginn dieser Zeit die süddeutschen 
Großkaufleute einen deutschen Welthandel entwickelten, zeigten
	        
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