fullscreen: Wissenschaftliches Arbeiten

38 Einrichtung und äußere Hilfsmittel der Seminare 
Anstalt, selbst wenn sie noch so reich dotiert und noch 
so trefflich geleitet ist, eine gut ausgestattete Handbiblio- 
thek im Seminar entbehrlich erscheinen lassen. Eine solche 
erweist sich hauptsächlich in einer dreifachen Hinsicht als 
ein wichtiges und notwendiges Hilfsmittel für jedes Se- 
minar. Zunächst wird der Seminarleiter bei den verschie- 
denen Übungen in den allermeisten Fällen immer wieder 
die vorzüglicheren Textausgaben, Handbücher, bibliogra- 
phischen Hilfsmittel und anderen Nachschlagewerke zur Hand 
haben müssen, die er weder der gemeinsamen öffentlichen 
noch auch der eigenen Privatbibliothek für die Zwecke des 
Seminars entnehmen kann. Sodann muß den Seminarmit- 
gliedern ausreichend Gelegenheit geboten werden, sich auf 
eine leichte Weise die erforderliche Bücherkenntnis zu er- 
werben. Endlich müssen sie die wichtigsten Nachschlage- 
werke bei ihren wissenschaftlichen Arbeiten ohne Schwierig- 
keiten und unliebsamen Zeitverlust zu ihrer Verfügung 
haben. 
Über den beklagenswerten Mangel an Bücherkenninis bemerkt 
Ernst Bernheim in seiner wiederholt angeführten Schrift „Der Univer- 
sitätsunterricht und die Erfordernisse der Gegenwart“ (p. 41 f): „Der 
Mangel an Bücherkenninis ist eine wahre Partie honteuse in unserem 
heutigen akademischen Leben. Genug Büchertitel werden vom Katheder 
herunter dem Studenten in die Feder diktiert, aber wann kommt er 
dazu, sich mit diesem Handwerkszeug des Gelehrten und Lehrers ver- 
traut zu machen? Meist erst in der letzten Stunde, wenn er seine 
Examensarbeit angreift, und nur im notdürfligsten Umfange. Jeder 
Bibliothekar weiß Wunderdinge von der krassen bibliographischen Un- 
kenntnis ausgewachsener Studenten“ zu erzählen, bewahrt als kuriose 
Dokumente manchen Bestellzettel, auf dem der Besteller ein wahres 
Testimonium paupertatis unterschriftlich bescheinigt. ‚Bibliographisch 
ist eigentlich ein zu vornehmer Ausdruck: Leute in höheren und 
höchsten Semestern wissen oft so wenig mit einem wissenschaftlichen 
Buche Bescheid, daß sie sich der Indices nicht ohne weiteres zu be- 
dienen verstehen; die landläufgen Abkürzungen in Citaten sind ihnen 
fremd“, Allerdings fügt Bernheim hinzu: „Und das, trotzdem die 
meisten Seminare mit bequemen Handbibliotheken ausgestattet sind“. 
denn die Bibliothek allein ohne den richtigen inneren Betrieb des 
Seminars kann den erwünschten Erfolg nicht haben; aber ohne eine 
solche Bibliothek würde der richtige Betrieb, wie ihn Bernheim be-
	        
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