Hiye, Geburtenrücdgang und Soziakreform
lafjen, die diefe Mehrausgaben durchaus rechtfertigen. Meijtens werden
bieje Sinder jpäter ja auch bei diejfen Werken wieder ihre Arbeitskraft
m Dienft ftellen. Aber auch in HNeinern Betrieben gibt e& mandHerlei Wege
der befondern Berücjichtigung: Bevorzugung der KHnderreichen Familien
bei Bejegung befferer Arbeitsftellen, bei Zuteilung der Arbeit, Zuwendung
günftigerer Wtforde bzw. Höhere Bemefjung des Tagelohns, Übertragung
'odnender Überarbeit, foweit [oldhe einerfeitz notwendig, anderfjeitZ gefund-
Jeitlih unbedenklich ift, jHonende Rückjicht auf die Gefundheit bei der
Arbeit, Bevorzugung in Annahme der ([Hulentlafjenen) Kinder zur Arbeit
ufip. Außerdem follte aber auch eine befondere Kaffe beitehen, oder
der Arbeitgeber Mittel zur Verfügung ftellen, um 3. B. zur Weih-
nachtözeit, bei befondern Anläffen freudiger oder trauriger Art (z. B.
Wochenbeit, Krankheit) den Hnderreiden Familien außervrdentlihe Zu-
mwendungen zu gewähren. Diefe Bunen nach einen objektiven Maßitab
—.je nach Zahl ‚der (nicdhtverdienenden) Kinder — bemejfen werden, und
das hat den Vorzug, daß damit EiferJucht und Mikirauen ausgefchlojjen
jt und der Charakter eines Almofens vermieden wird. Wenn dagegen
den bejondern Bedürfniffen in den einzelnen Familien mehr Nennung
getragen werben foll, dann {ft jedenfalls die Mitwirkıng von Vertrauens
verjonen der Arbeiter — des Arbeiterausihujfes — bei der Verteilung
erforderlich.
Wo noch mehr perfönliche Beziehungen zwifden Arbeitgebern und Arbeitern beitehen,
namentlich in den MNeinern Seirieben und auf dem Laude, wird gewiß auch die Frau
des Arbeitgebers es als Pflicht und Bedürfnis empfinden, den Kranken, Wöchnerinnen,
Rindern ufw, ihrer Arbeiter ihre perfönlide Teilnahme dur gelegentlide Befuche,
Gewährung von Kranfkenkojt, Wein u{w. zu bekunden. Gewiß, dabei ift Lorficht und
Heingefühl erforderlidh. Der moderne Arbeiter ijt beforgt und wacht eiferfüchtig ob
jeiner Freiheit und Würde, er „wilk fidh nicht? [Henken laffen“. Diefes Gefühl ift be
techtigt und muß gefchont werden, aber es gibt eine natürlidje Güte und Bornehmheit
der Gefinnung und des Auftretens, die diefe KMuft leicht übermindet — und das if
der Ichönjte Triumph, deffen fich eine Arbeitgeberfran freuen darf. Um erlten führi
der Weg über die Herzen der Kinder (Weihnachts, Kommunion: und Konfirmations:
zefdenfe, gelegentliche Kinderfelte) zur Mutter und von diefer zum Vater. Gemein:
lame Jugenderinnerungen, religiöfe und hHeimatlidhHe oder vaterländijhe Felte ul.
zrleichtern den Weg. Die Arbeiter Haben ein fehr feines Gefühl dafür, ob das alles
der Ausfluß einer natürlidhen [ozialen Empfindung und Teilnahme ift, oder ob Eitelkeit
und Berechnung dahinter fieden, und fie werden je nachdem ihr Urteil und Ver-
halten einr'dhten.
Die Fubrikwohlfahrtöpflege hat immer mehr oder weniger den Cha:
cafter des ‚Zufälligen, des Berjönlidhen. Legteres ift ein Vorzug, fanı aber
aud) von Nachteil fein. Perfönlichtfeiten wechjeln. AYußerdem fteht die Fa:
SrilwoHlfahrtäpflege nur zu leicht unter dem Verdacht, daß eigenfüchtige
Beweggründe und Ziele des Fabrikherrn mitjpielen. Deshalb wird jeder
meitjichtige und Hochherzige Arbeitgeber gern mit Nat und Tat bereit fein,
gemeinfame Organifationen zu Ihaffen, die unabhängig von
x»