Königtum und Kämpfe zwischen Fürsten, Adel und Städten. 381
Feldzuge aber entnahm Wenzel jener Plünderung der deutschen
Juden, die ihrerseits wiederum innerhalb des großen Gegen—
satzes zwischen Fürsten und Städten im Reiche den König auf
die Seite der Städte abzuschwenken veranlaßte: so war seine
Stellungnahme in den wichtigsten deutschen Angelegenheiten im
Grunde durch außerdeutsche Bedürfnisse der luxemburgischen
Hauspolitik bestimmt. Und wenn diese Stellungnahme noch für
die königliche Gewalt glücklich gewesen wäre. Aber sie führte
den König auf die Seite der schließlich besiegten Partei; mit
der Niederlage der Städte schien auch sein Schicksal bestimmt.
Wenzel, dem man am allerwenigsten politische Einsicht ab—
sprechen kann, hat das auch selbst nicht verkannt; nach dem
ersten Siege der Fürsten über die Städte bei Döffingen hat er
an seine Abdankung gedacht und ist damit verwandten Erör—
terungen der Fürsten, wie sie schon öfter stattgefunden hatten,
in diesem Falle zuvorgekommen. Hatte seine Anregung keinen
Erfolg, so war das nur deshalb der Fall, weil er zugleich
einen Luxemburger als Nachfolger vorzuschlagen versuchte, und
weil er wenig später, im Egerer Landfrieden des Jahres 1889,
wiederum eine Schwenkung ins Lager der Fürsten vollzog. So—
biel indes war nach allem klar: er wurde als König nicht
mehr verehrt oder gefürchtet, sondern nur noch geduldet.
Und verdiente denn, ganz abgesehen von seiner Reichs—⸗
politik, seine Persönlichkeit und seine Stellung in Böhmen
wirklich Anerkennung? Stark sinnlich angelegt, doch gut er—
zogen und von Natur leutselig, hatte er als Person im Reiche
anfangs Sympathieen gefunden. Aber diese Zeiten waren
längst dahin. Frühe Leidenschaften unmäßiger Jagdlust und
stetiger Trunksucht waren jetzt ins Unerträgliche entfesselt,
und ein Zug zum Rohen und Leichtsinnigen, der dem Könige
nie ganz gefehlt hatte, war unter ihrer Einwirkung erschreckend
hervorgetreten. Der König vergaß allmählich im Liebes—
spiel mit Bademädchen niederer Herkunft und in groben
Späßen mit seinem Hofgesinde den Ernst seiner Stellung; und
nur die finanzielle Sorgsamkeit vieler Angehörigen seines Ge⸗
schlechtes blieb ihm, aber zum Geize gewandelt, treu. So bot