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die Preise selber fest, und man konnte ihn daran nicht
hindern.
Inzwischen machte Astor sich zum reichsten und größten
Grundbesitzer im Lande. Ihm gehörten zwar nicht der
Größe, wohl aber dem Werte nach die besten Stücke. Er
wollte ein großer städtischer, nicht ein ländlicher Grund-
herr werden. Man schätzte seinen jährlichen Reingewinn
aus Pelzen und den damit verbundenen Handelsunter-
nehmungen auf über zwei Millionen Dollar. Die Schätzung
ist offenbar unrichtig. Er erraffte nicht bloß im Pelzhandel
enorme Profite, sondern auch aus Bankprivilegien, bei
denen er bedeutend beteiligt war.
Bei einem seiner Besuche in London, so geht die Sage,
erfaßte ihn zuerst die Idee, ein Familienerbe mit außerordent-
lich reichem Grundbesitz zu gründen. Er bewunderte, wie
man erzählt, die großen Landbesitzungen der britischen
Aristokratie und beobachtete das Vorurteil gegen die Kaste
der Händler und die entsprechend hohe Stellung der Grund-
besitzer. Mag diese Geschichte wahr sein oder nicht —
so viel ist sicher, daß die wachsende Macht und die Stabilität
eines auf Grundbesitz gebauten Vermögens und das Prestige,
las davon ausstrahlte, Eindruck auf ihn machten.
Die soliden Bodenwerte New Yorks boten blendende Mög-
lichkeiten, Reichtum und Macht zu gewinnen, womit er seine
Geldgier befriedigen und die Reichen beherrschen konnte.
Astor ist keine Ausnahme
Es. soll besonders betont werden, daß Astors Methoden
in Handel und Bodenerwerb nicht einfach als persönliche
Manie verdammt und der Neugier der Nachwelt nicht als
:in Einzelfall von Gewissenlosigkeit hingestellt werden
dürfen, von seiner Zeit und seiner Generation losgelöst
and davon unabhängig. Die Tatsachen ergeben immer
and immer wieder, daß Männer wie er bloß die sichtbaren
Gipfel des herrschenden Systems im kommerziellen und
politischen Leben waren. Die ganze besitzende Klasse
srwarb ihre Reichtümer durch Methoden, die mit den
seinen wenn nicht identisch, so doch nahe verwandt waren.