Ligentümlichkeit anzuerkennen. Der Jugend brachte er warme und
freudige Teilnahme entgegen. Leine llrt wurde von fremden in
sofern bisweilen wohl unterschätzt, als man die innere Wärme
feines Wesens nicht voll genügend erkannte. Leinen Lchülern war
er ein gütiger und hilfsbereiter Berater, und wie wohlwollend er
für feine freunde sorgte, das habe ich selbst erfahren, als ich in
Jiom von einem sehr ernstlichen Tpphusanfall befallen war. Nie
mand hat sich damals meiner so herzlich angenommen wie Hase.
In der theologischen Fakultät gewann damals vornehmlich pfleiderer
durch die Wärme seiner gesinnung und durch die irische seines
Ltrebens die fungen Leelen. Lipsius war bewunderungswert
durch die kritische Lchärfe seines Denkens und sein staunenswertes
historisches Wissen, so dast er in dieser Dichtung pfleiderer weit
übertraf. In unserer Fakultät war eine Zierde Hildebrand, zu dem
die hervorragendsten füngeren Ilationalökonomen pilgerten, und
der von der Lthik aus der Philosophie ein warmes Interesse ent
gegenbrachte. Linen sehr geistvollen und anregenden Denker hatten
wir an dem Historiker Qdolf Lchmidt, der sowohl dem frankfurter
Parlament 1848 als dem Reichstag 1874—angehörte. Weine
näheren kollegialen Verhältnisse gestalteten sich sehr angenehm. In
fortlage hatte ich einen treuen und feinsinnigen Kollegen, der auf
kleinere Kreise aufs förderlichste wirkte. Unermüdlich und mit
fugendlicher Begeisterung wirkte Stop, der schon durch sein seelen-
volles Quge fesselte. Lluch mit dem späteren geistvollen gpmnasial-
direktor gustav Kichter verband mich bald ein freundschaftliches
Verhältnis.
Die stille Lage Ienas brachte es mit sich, dast manche der
älteren Kollegen eine gewisse Weltsremdheit hatten, und dast
sie sich auch in die modernen Verkehrsverhältnisse nur mühsam
hineinlebten: es fehlte nicht an kleinen Llnekdoten darüber. Wie man
damals über Lntfernungen dachte, dafür ist charakteristisch folgender,
Zug. fortlage war früher privatdozent in Heidelberg, er hatte sich
seine Braut aus Schleswig geholt, wo dann die Hochzeit ge
feiert wurde; der amtierende geistliche hielt es für notwendig dar
auf hinzuweisen, die funge frau möchte zuversichtlich in die Zu
kunft blicken, denn derselbe gott walte in Schleswig und in
Heidelberg.
Die Zahl der Studenten war damals nicht grast. Ls wurde
als etwas Besonderes begrllstt, als im Sommersemester 1874 die
Zahl der Hörer gegen zoo erreichte. Ls kam dann längere Zeit ein
Stagnieren, bis später die Universität ein fortwährendes Quf-
steigen erreichte. Während dieser ganzen Zeit habe ich das Zu
sammensein und Zusammenwirken mit den Studenten als einen
grasten Vorzug empfunden. Schon bevor ich nach Iena kam,