fullscreen: Weltporto-Reform

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Postein nahmen) vorkamen, da sie nach seiner Meinung auf die 
Dauer den Finanzen selbst schadeten. Er empfahl dagegen, als 
Normalüberschuss etwa 15% der Einnahmen, oder wenn 
man „die Gemeinnützigkeit der Post noch erhöhen“ 
wolle und „die Finanzen das gestatteten“, 10% anzu 
setzen. Wenn die Ueberschüsse höher ausiielen und drei Jahre 
hintereinander dieser Normalsatz überschritten würde, seien „Ge- 
bührenherabsetzungen oder sonstige Erleichterungen“ 
am Platze. Ein höchst beachtenswerter Grundsatz 4 )! 
4 } Wenn man diesen Grundsatz Stephans auch auf die englische 
Portoreform vom Jahre 1840 anwendet, durch welche das Porto für 
Briefe bis zu einer halben Unze Gewicht einheitlich auf 1 Penny herab 
gesetzt wurde — nach Orten ohne Postanstalten betrug die Taxe allerdings 
noch 2 Pence — so wird man sehen, dass Kowland Hill der Nation ein 
Befreier vom drückenden fiskalischen Joch wurde und noch lange nicht 
weit genug ging, sei es nun in sonstigen Portoverbilligungen oder in dem 
Ausbau der weniger rentablen Postanlagen. 
Demi 1839, im Jahre vor der Reform, betrugen die Posteinnahmen 
2 390 763 <ä£, der Überschuss aber 1 633 764 £ oder 70% dieser Ein 
nahmen. Das war eine heillose Überspannung der Fiskalität, die dazu 
geführt hatte, dass der Brief Schmuggel blühte, der Verkehr stockte und 
auch die Einnahmen jahrelang fast gar nicht wuchsen. 
Im ersten Jahre der Portoreform (vom 10. Januar 1840 ab in 
Kraft), 1840 (das Yerwaltungsja.hr endete stets am 5. Januar), waren die 
Einnahmen auf 1 359 466 £ und der Überschuss auf 500 789 £ oder 
38% der Einnahmen gesunken. Gott sei Dank! Aber auch das war 
immer noch eine höchst fiskalische Yerhältniszahl, und weitere „Gebühren 
herabsetzungen oder sonstige Erleichterungen“ wären nach Stephans Maxime 
immer noch am Platze gewesen. 
Leider steht Stephan aber mit sich selbst ein wenig im Widerspruch, 
wenn er in seiner „Geschichte der preussisohen Post“ an einer Stelle (S. 729) 
jenen Grundsatz proklamiert, dass eine gemeinnützig und nicht fiskalisch 
verwaltete Post nur 10—15% der Einnahmen als Überschuss naohbehalten 
dürfe, an anderer Stelle (S. 614 ff.) dagegen wieder die plötzliche Ein 
führung des billigen Pennysatzes wegen der dauernden Überschuss 
verminderung im Interesse des Fiskus gewissermassen bedauert, obwohl 
der Überschuss auch dann noch ungeheuer hoch blieb, nämlich 38 % — 
viel höher als der Naglersche in Preussen (33 %) —, und noch höher stiegi 
1844/45 auf 42%, 1855/56 auf 43% und 1871/72 auf 47%, ja 1874 auf 48%, um 
erst in der nächsten Zeit endlich wieder zu sinken, 1880/81 z. B. auf 37% 
und bis 1906 auf 27 %. 
Die Zahl der Briefe stieg nach der Reform in England von 82 Milli 
onen (1839) auf 168,7 (1840), 208,4 (1842), 322,1 (1817), 410,8 (1853), 564
	        
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