»
&
P
—56 <■—
Standes an Fahrzeugen und sonstigen Betriebsmitteln unerlässlichen Reparatursfond möglichst
ungeschmälert zu erhalten, unter sorgsamer Berücksichtigung der gewonnenen Erfahrungen die
Abschreibungen bei Dampfbooten von 6 auf 5 '/% % ; bei eisernen Transportschiffen von 5 auf 3 %
für die älteren Boote, auf welche schon ergiebige Abschreibungen stattgefunden hatten, und auf
3 V,% für die neuen; bei den hölzernen Transportschiffen von 25 auf 12°/ 0 ; bei den Inventars
gegenständen der Schiffe auf 4 und der Stationen auf 2%; endlich bei den hölzernen Gebäuden
von 5 auf 4 und den gemauerten auf 1% lierai). Bei den hölzernen Transportschiffen und bei
den Gebäuden sollten die Abschreibungen nicht mehr von dem Inventarswerthe, sondern von
den ursprünglichen Anschaffungskosten vorgenommen werden. Die Abschreibungen von dem
Werthc der Altofner Werfte zu 10%, dann von dem der Winterhafenanlagen wurden unver
ändert beibehalten, endlich wurde die Abschreibung von dem Fester Quai, der der Gesellschaft
zugesicherten Benützungsdauer entsprechend, mit 2 % durchgeführt. Nur so durfte die
Gesellschaftsverwaltung hoffen, durch die Abschreibungspercentö im Vereine mit den vorzu
nehmenden Reparaturen, für welche die nöthigen Fonds besonders reservirt blieben, den Stand
des wirklichen Werthes des gesellschaftlichen Besitzthums mit den den Rechnungswert!!
repräsentirenden Conti übereinstimmend und dem zu vermindernden Actiencapitale conform
zu erhalten, ohne die von der Staatsverwaltung begrenzte Summe zu überschreiten. —
Kurz zusammengefasst, ergab dies neben der als »Verlustsaldo früherer Jahre« gebuchten
Post von 575.941 fl. eine nicht unbeträchtliche schwebende Schuld, deren Zinsen ebensowenig,
als ein grosser Theil der Einkommensteuer, in die Betriebsrechnung eingestellt werden durften,
und einen limitirten Reparaturs- und Abschreibungsfond, sowie die Verpflichtung zur jährlichen
Rücklösung von 1000 Action. Und mit dieser Verpflichtung war zugleich die successive Ver
minderung des Betriebsmaterials und, strenge genommen, gleichzeitig der Rückgang der Unter
nehmung dekretirt.
Das war die finanzielle Lage der Gesellschaft, als der damalige Botriebsdirector Peter
Erichsen mit Tod abging und der Betriebs-Oberinspector M. Cassian als sein Nachfolger
die Leitung der Geschäfte und damit die Aufgabe übernahm, die gesellschaftliche Unter
nehmung nicht allein über die Gefahren des Uebergangsstadiums aus der Periode des staatlich
anerkannten Alleinrechtes zur Beschiffung der Donau und ihrer Nebenflüsse in jene der
uneingeschränkten Concurrenz hinüberzuführen, sondern auch die Selbständigkeit und Vollkraft
derselben für jenen Moment zu sichern, in welchem der letzte Rest staatlichen Schutzes aufhören
und die Gesellschaft der grossen Aufgabe gegenüberstehen würde, auf sich allein beschränkt,
den Wettkampf mit anderen Verkehrsunternehmungen aufzunehmen.
Das gesellschaftliche Schiffsmateriale bestand aus 95 Raddampfern mit 11.253 Pferde
kräften, 24 Propellern mit 675 Pferdekräften, 437 Waaren-Trausportschiffon, 21 Schweinbooten
und 16 Kohlentendern, zu deren Instandhaltung, wenngleich trefflich eingerichtete, so doch
äusserst kostspielige Werften dienten. Daneben ein Kohlenwerk, das, so werthvoll und zukunft-
verheissend es seiner mächtigen Lager und der Vorzüglichkeit seiner Producte wegen auch war,
doch erst des Aufschlusses und der äusseren Abrundung, sowie eines stabilen Arbeiterstandes ,
bedurfte; endlich eine Eisenbahn, die noch der Verbindung mit/len grossen Schienenwegen der
Monarchie harrte und zunächst nur die Kohlenzufuhr zu den Schiffen vermittelte.
Das Hauptaugenmerk galt nunmehr der Wiedergewinnung der vollen Rentabilität der
gesellschaftlichen Unternehmung aus dem eigenen Ertrage, verbunden mit steter Rücksichtnahme
•i ' V