Kapitel Y. Proudhon und der Sozialismus von 1848.
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bank setzt ihre Unterschrift an Stelle der des Kundenwechsels, den
sie diskontiert. Auch heute tut der Aussteller einer Banknote nichts
anderes. An die Stelle des Wechsels, den die Banque de France
kauft, und der nur einen beschränkten Kredit genießt, setzt die
Banque de France Banknoten, die ihre überall anerkannte Unter
schrift tragen und einen fast unbegrenzten Kredit genießen. Worin
unterscheidet sich nun der Umlaufbon Peoudhon’s yoh der Banknote?
Einfach dadurch, daß die Bank zu ihrer Unterschrift das Ver
sprechen einer Einlösung in Metallgeld fügt, d. h. in einer allgemein
angenommenen und nachgefragten W’are, während Peoudhon die
Unterschrift der Tauschbank durch keine andere besondere Ver
pflichtung dieser Art ergänzt, sondern einzig dadurch, daß alle ihre
Kunden sie an Zahlungsstatt annehmen.
Theoretisch mag dieser Unterschied unbedeutend erscheinen, da
in beiden Fällen die Zahlungsfähigkeit der Aussteller des Kunden
wechsels die wirkliche Garantie der Banknote, wie des Tauschbons
ist. Praktisch ist der Unterschied aber außerordentlich groß! Die
Sicherheit, die Banknote gegen Bargeld Umtauschen zu können, gibt
ihr die große Kraft ihrer Verbreitung, und auf Grund dieser Sicher
heit wird sie von der großen Menge Unbekannter angenommen, die
sie einzig infolge des Vertrauens, das ihnen die Bank einflößt,
annehmen. Sie brauchen sich nur um die Zahlungsfähigkeit der
Bank zu kümmern. Ein „Umlaufbon“, abgesehen davon, daß er nur
ein Anrecht auf gewisse Waren (wie sie die Kunden der Tauschbank
herstellen) gibt, setzt aber voraus, daß der Besitzer Vertrauen in,
die Gesamtheit der Kunden hat, ein Vertrauen, dessen wirkliche Be
gründung er nur schwer mit Sicherheit nachprüfen kann. Ein der- •
artiger Bon wird daher nur unter den Kunden der Bank umlaufen,
anstatt wie die jetzige Banknote das ganze Publikum zu umfassen.
Aber auch die Kunden der Tauschbank können ihre Verpflichtungen
nur dann einhalten, wenn diese Bank nur Wechsel erster Sicherheit
diskontiert und niemals am Verfalltage eine Zahlungsverweigerung
erleidet. Denn sonst würden die Umlaufbons, anstatt regelmäßig
zur Bank zurückzukehren, im Umlauf bleiben. Sollte eine irgend
wie bedeutende Krisis auftreten, und viele der Anhänger der Bank
in Zahlungsschwierigkeiten geraten, so würde die Summe des Nenn
wertes der Umlaufbons sehr schnell den Wert der Waren, die sie
vorstellen, übersteigen. Die Bons würden sofort an Wert verlieren,
und die Kunden selbst würden sich weigern, sie an Zahlungsstatt
anzunehmen.
Man kann sich daher sehr wohl die Möglichkeit eines Umlaufs
dieser Bons vorstellen, — aber dieser Umlauf würde stets nur auf
einen kleinen Kreis beschränkt bleiben, und als erste unvermeidliche