Full text: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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einen Kriegsschatz machte man damals in England geltend, daß er die Re 
gierung zu unabhängig vom Geldbewilligungsrecht des Parlaments mache, ein 
Argument, das übrigens auch im 19. Jahrhundert gelegentlich verwendet wurde. 
Man kann das in einem Kriegsschatz angesammelte unterwertige Metall 
geld ans Publikum auszugeben beabsichtigen, oder es, was das österreichisch- 
ungarische Bankstatut gestattet, als Notendeckung zu verwenden gedenken. 
In letzterem Falle übt es eine wesentlich formale Funktion aus, wie wir noch 
sehen werden. Rein um den gesetzlichen Ansprüchen Genüge zu leisten, wird 
dann papierenes Zeicheugeld durch metallenes Zeichengeld gedeckt. Metall 
noten sollen die Zirkulation der Papiernoten fördern. Über diese geringe Be 
deutung eines Kriegsschatzes an Inlandsgeld darf uns die Fülle von Erörterungen 
nicht täuschen, die sich in Deutschland an den Gesetzentwurf anschlossen, der 
den Zweck verfolgte, 120 Millionen Mark Silbermünzen einer Notreserve und 
120 Millionen Mark Goldmünzen dem Reichskriegsschatz zuzuführen. 
Während ein Kriegsschatz, in Silbergeld bestehend, immerhin diskutiert 
werden kann, hat es gar keinen rechten Sinn, von einem in Noten bestehen 
den Kriegsschatz zu sprechen, da es prinzipiell gleichgültig ist, ob man die 
im Kriegsfall notwendigen Notenmassen erst im Kriegsfall druckt oder bereits 
in Friedenszeiten gedruckt bereitliegen hat — was wohl in allen vorsich 
tigen Staaten der Fall sein dürfte —, daß es nicht immer der Fall ist, 
konnte man in Bulgarien während des Balkankrieges beobachten. Bulgarien 
kennt, ebenso wie Serbien, neben Goldnoten auch Silbernoten, das heißt, die 
einen sind in Gold, die anderen in Silber einlöslich. Die bulgarische National 
bank ist zu einer Deckung der Noten in Silber respektive in Gold verpflichtet. 
Als der Krieg ausbrach, löste sie die Noten nicht ¡ein, um aber den Deckungs 
vorschriften Genüge leisten zu können und um andererseits das Silber zu 
Zahlungen an das Publikum bereit halten zu können, sah sie sich plötzlich 
genötigt, die Menge der Ooldnoten rasch zu vermehren. Da sie aber für diesen 
Fall keine Vorsorge im Frieden getroffen hatte, mußte sie gedruckt vor 
liegende Silbernoten in Goldnoten umwandeln. Sie tat das in der Weise, daß 
sie mit einem primitiven Stempel das Wort „Silber“ durchstrich und rechts 
und links davon das Wort „Gold“ auf die Note druckte. Das ist freilich nur 
eine rein technische Angelegenheit. Gerade dies Beispiel zeigt aber deutlich, 
daß solche technische Angelegenheiten immerhin auch be 
achtet werden müssen. Nur muß man sich davor hüten, derartige 
technische Fragen mit prinzipiellen zu verwechseln. 
3. Anleihen 
Weit wichtiger als die geringen Bestände an Inlandsgeld, welche sich 
in den offiziellen und nicht offiziellen Kriegsschätzen vorfinden, ist die Geld 
beschaffung durch Anleihen und Steuern. In beiden Fällen erhält der Staat 
schon vorhandenes Inlandsgeld zu seiner Verfügung. In dem ersten Fall, indem 
er einen Vertrag mit seinen Bürgern abschließt, im zweiten Falle, indem er 
sein Hoheitsrecht geltend macht. Doch gibt es noch ein Mittelding zwischen 
den eigentlichen Anleihen und den eigentlichen Steuern, das sind die soge 
nannten Zwangsanleihen, deren Wesen darin besteht, daß der Staat den einzelnen 
Bürger einerseits zwingt, ihm Geld zur Verfügung zu stellen — ähnlich wie 
bei den Steuern —, während er andererseits die Zusage macht, die Gelder nach 
dem Kriege wieder zurückzuerstatten. Diese Zwangsanleihen spielten im Altertum 
eine große Rolle. Das Tribu tum der Römer war eine derartige Zwangsanleihe. 
Ehe wir darauf eingehen, die Funktion der Anleihen im Kriegsfälle näher 
zu beleuchten, sei ganz kurz einiges über das Wesen der Anleihen überhaupt 
vorausgeschickt. Man kann nicht allgemein Staatsanleihen billigen oder ver 
werfen, es muß vielmehr jeder Fall gesondert untersucht werden, kann man 
doch auch sonst nicht allgemein sagen, ob Schulden etwas Gutes oder etwas 
Schlechtes sind. Wenn ein Staat Anleihen auf nimmt, so kann das bedeuten: 
die Kräfte des Staates sind zu schwach ; die Folge des Schuldenmachens kann 
eine Erholung sein; es kann aber auch Vorkommen, daß der Staat Verpflich 
tungen eingeht, denen er erst recht nicht gewachsen ist, und daß er durch 
das Schuldenaufnehmen die Axt an die Wurzel seines Gedeihens legt, indem
	        
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