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solches zollexemtes Gebiet für den gesamten Handel hat, ist man
neuerdings in Deutschland dazu übergegangen, auch in anderen
Hafenstädten wie in Hamburg und Bremen derartige Freihäfen,
Freigebiete oder Freibezirke zu schaffen. Die enormen Vorteile
des Freihafens von Hamburg gegenüber den Häfen anderer Länder,
die gleich beim Eingang der Ware ins Land Zölle erheben, zeigen
sich beim Lösch- und Ladegeschäft. In Hamburg geschieht dies
ohne Aufsicht irgendeines Zollbeamten; nicht so in Frankreich
mit seinen hohen Einfuhrzöllen oder auch im freihändlerischen
England. »Sogar hier (in England) ist, da ja einige Waren zoll
pflichtig sind, das ganze Löschgeschäft an die Gegenwart eines
Zollbeamten geknüpft, und diese wird nur während der regel
mäßigen Geschäftsstunden gewährt. Am hellsten Sommerabend
und vollends nachts ruht die Tätigkeit im Hafen vollständig. Und
was das an Spesen bedeutet, kann man an der einen Zahl ermessen:
die Kosten eines ruhenden Güterdampfers mittlerer Größe schätzt
man auf täglich 2000 bis 4000 Mk.
Jedermann weiß ja auch, wie großes Gewicht heutzutage auf
raschesten Güterumschlag gelegt wird, wie wertvoll es daher ist,
im Ein- und Ausladen der Güter nicht behindert zu sein. Un
zweifelhaft, daß unsere deutschen Häfen, daß insbesondere Ham
burg gerade in ihren Freihafen- und Freibezirkseinrichtungen eine
kräftige Stütze für ihr Bestreben gefunden haben, dem alten Um
ladungsplatze London den Rang abzulaufen« 1 ).
War die Entwicklung des Hamburger Hafenverkehrs bis
zum Zollanschluß hin schon beträchtlich, so nahm sie seit dem
Anschluß infolge seiner großen Vorteile einen so bedeutenden
Aufschwung, daß das Anwachsen des Verkehrs im Hamburger
Hafen unverhältnismäßig größer war als die Zunahme des Welt
verkehrs.
Den enormen Umfang, den die Hamburger Hafenanlagen
heute erreicht haben, illustrieren einige Tabellen, die detaillierte
Angaben bringen über die Größe der Häfen, über ausgebaute
Uferstrecken, über Liegeplätze für Seeschiffe an Dückdalben, über
Lagerräume und schließlich über Hafenbahngleise.
Im Anschluß an die statistischen Übersichten werde ich dann
durch zahlenmäßige Vergleiche das mächtige Anwachsen der Ham
burger Hafenanlagen zeigen * 2 ):
*) Wiedenfeld, Hamburg als Welthafen. Dresden 1906, S. 23ff.
2 ) Die folgenden Tabellen sind der Hamburger Hafenstatistik von Bubendey,
Hamburg 1910, entnommen.