Metadata: Werke und Schriften bis Anfang 1844 (1,2.1930)

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(29) 1840 März 30 
29. Bruno Bauer an Marx in Berlin; Bonn 1840 
März 30 
Original: Archiv der Sozialdemokratischen Partei, Berlin 
Lieber Marx! 
Du kannst Dich nun diplomatisch genau über die Promotions- 
leistungen unterrichten. Das colloquium ist nur eine Form, die in einer 
Viertelstunde abgemacht ist. Es bleibt Dir also nichts weiter zu tun 
übrig, als in Berlin das Examen zu machen. Ich weiß nicht einmal, ob 
Du in Berlin bei der Fakultät zu sagen brauchst, Du wolltest Dich habili- 
tieren, so daß Du das Examen pro licentia docendi machen müßtest. In 1 
den hiesigen Statuten ist ja nichts davon erwähnt. Jeder Doktor promoter 
hat ja diese Lizenz. Doch kannst Du Deine Absicht Gabler sagen, und 
dieser wird ja um so geneigter und beim Examen vergnügter, wenn er 
hört, ein Hegeliter mehr komme nun auf ein Katheder. Das Examen, wie 
ich hier von Möller gehört habe, dreht sich hauptsächlich und regel- 16 
mäßig immer in Berlin um Aristoteles, Spinoza und Leibniz — weiter 
nichts, Mache doch nur! Lächerlicherweise — ich werde zeitlebens und 
später immer mehr über die Situation lachen — mußte ich hier auch ein 
colloquium halten, um das formelle Gesetz zu befriedigen. Es dauerte 
aber genau nur fünf Minuten, da die Leute doch das Sinnlose dieser 20 
Situation bald genug fühlten. Und denke Dich hier Calker’n gegenüber! 
In jedem Falle ist es gut, wenn Du Ladenberg besuchst, freilich hier wird 
es Deine Stellung nicht verbessern, denn mich begleiteten die kräftigsten 
Empfehlungen des Ministeriums hieher — aber können die mit einem 
Male Dummköpfe, wie die hiesigen Leute sind, umwandeln? Im Anfange, z 
als ich ankam und man schon vorher von meinen Empfehlungen gehört 
hatte, war alles hier gegen [mich] geschmeidig, wie ich dergleichen noch 
nicht gesehen habe. Jetzt, da man merkt, ich sei noch nicht Professor ge- 
worden, wundert man sich freilich immer noch über mein Verhältnis zum 
Ministerium, und man würde sich noch mehr die Köpfe zerbrechen, wenn 3 
nicht gegen Weihnachten jene Zeitungsartikel über die Hegelsche Philo- 
sophie gekommen wären. Bis dahin wußte man gar nicht, wie die Sachen 
in Berlin stehen — aber ich und die Hiesigen sind uns nun doch durch 
öfteres Sehen gewohnt geworden, und jetzt unterhält man sich in der 
Stadt nur noch darüber: wieviel ich vom Ministerium Gehalt bekäme, 3: 
ob 600 Mark oder mehr? 600 Mark, ist die allgemeine Übereinkunft der 
Leute, müsse das wenigste sein!! Die Schafköpfe! Ich natürlich werde 
mich hüten, die Leute über den Stand der Angelegenheiten aufzuklären. 
Einsicht in die allgemeinen Staats- und Wissenschaftsverhältnisse ist hier 
ein nie gesehener Artikel. 4 
Ich sehe Dich zwar noch nicht hier, aber ich muß es Dir doch im 
voraus schreiben, ich brauche es dann später nicht: Wenn Du hier an- 
kommst, so darfst Du mit keinem Menschen hier über etwas sprechen, 
als von Wetter und dgl., bis wir uns nicht gesprochen haben. Ich muß 
Dir erst die ganze hiesige Welt schildern, ehe Du hineintreten darfst. 4 
Von Herzen- d. h. Gedankenanlegenheiten und geistigen Dingen darf 
man kein Wort fallen lassen, die Leute haben zwar, d. h. nur die noch 
gescheitesten, rührigsten, ein Grauen vor dem Teufel, aber die armen
	        
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