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peter — was man aus seinen antikritischen Bemerkungen
gegenüber der Böhm-Bawerkschen Kritik seiner Zinstheorie
folgern muß?!) — annimmt, Schumpeters Zinstheorie und der
zweite Grund sind dagegen unvereinbar, da, wenn man dessen
Existenz auch nur außerhalb seiner Statik annimmt, die Eli-
mination des Zinses in der Depressionsperiode sehr in Frage
gestellt ist, wodurch von vornherein Schumpeters „dyna-
mischer“ Zinstheorie das Wasser abgegraben wäre — ein Grund,
der uns, die wir die Tatsache der systematischen Unterschätzung
zukünftiger Genüsse anerkennen, zur Ablehnung der Schum-
peterschen Theorie veranlaßt.
Was jetzt noch zu tun übrig bleibt, ist erstens die Er-
klärung der Zinserscheinung, die Cassel auf Böhm-Bawerks
drei Gründen aufbaut, etwas näher zu untersuchen — denn bis
jetzt wissen wir nur, daß sie statisch ist — und zweitens den
Synchronisierungsgedanken etwas genauer unter die Lupe zu
nehmen. Wir werden dabei folgenden Weg einschlagen: Zu-
nächst werden wir uns etwas mit dem Casselschen Kapital-
begriff beschäftigen, wobei wir die Gelegenheit benutzen werden,
einige vergleichende Bemerkungen über die Auffassung des
Kreditphänomens bei Schumpeter und Cassel einzuflechten.
Dann werden wir zur Besprechung der Abstinenztheorie über-
gehen und uns hier insbesondere mit den Einwänden Böhm-
Bawerks auseinandersetzen, um schließlich mit der Diskussion
des Synchronisierungsgedankens, den Schumpeter im Anschluß
an Clark gegen die Agio- und Abstinenztheorie ins Feld führt,
die Untersuchung abzuschließen.
3. Einige Bemerkungen zum Casselschen und Schumpeterschen
Kapital- und Kreditbegriff.
Cassels Äußerungen über den Kapitalbegriff sind nicht
so klar, als daß man ohne weiteres aussagen könnte, was für
ein Objekt er mit seiner „Kapitaldisposition‘“ eigentlich be-
zeichnen will. Auf den ersten Blick scheint es, als ob sie zu den
1) Schumpeter, Entgegnung, S. 639, vgl. auch Böhm-Bawerk, Eine
dynamische‘ Theorie d. Kapitalzinses, S. 655/57.