Full text : Mittheilungen aus der Geschäfts- und Sterblichkeits-Statistik der Lebensversicherungsbank für Deutschland zu Gotha für die fünfzig Jahre von 1829 - 1878

I.  Tlieil.  Statistik  der  Anträge,  Ablehnungen,  Aufnahmen  und  Abgänge.

i)

Benutzung  der  verschiedenen  Modalitäten  der  Prämienzahlung
bei  jeder  dieser  Arten  zur  Anschauung  brächte.  Und,  wenn
man  absieht  von  dein  Unterschiede  zwischen  ganz-  und  halb-  '
jährlicher  Prämienzahlung,  giebt  auch  jede  dieser  Modalitäten
den  Versicherungen  wirtschaftlich  betrachtet  ein  besonderes
Gepräge.  Die  Bank  gestattet  neben  der  periodischen  Zahlung
der  dem  Eintrittsalter  entsprechenden  Tarifprämie  die  Erkaufung
der  Prämie  eines  jüngeren  Alters,  sowie  die  Ablösung  jeder
ferneren  Prämienzahlung  durch  Entrichtung  einer  oder  mehrerer
Zusatzprämien  neben  der  Normalprämie  (Gapitalzahlungen).
Im  Interesse  der  U  eher  sicht!  ichkeit  hat  man  sich  an  dieser
Stelle  auf  die  Benutzung  der  ihrer  rechtlichen  Bedeutung  nach
verschiedenen  Versicherungsarten  beschränken  zu  sollen  geglaubt.

III.  Kapitel.

Geschlecht  der  Versicherten.
Tab.  111  bedarf  der  Erläuterung  nicht;  die  Thatsachen,
von  denen  sie  Kunde  giebt,  bieten  keinen  Anlass  zu  besonderen
Betrachtungen.  Es  liegt  in  der  wirtschaftlichen  Stellung,
welche  die  Frau,  die  verheiratete  nat  urgem  äs,  die  unverheiratete ­
  in  Folge  einer  Fülle  noch  nicht  besiegter  Vorurteile,
in  Deutschland  einnimmt,  es  liegt  auch  in  dem  Umstande,  dass
in  den  höheren  Schichten  der  Gesellschaft  der  verheirateten
Frau  meistens  nicht  die  Fürsorge  für  die  materielle  Zukunft
der  Familie,  der  unverheirateten  nur  die  Sorge  für  die  eigene
Existenz  obzuliegen  pflegt,  dass  —  nicht  etwa  nur  bei  der
Lebensversicherungs-Anstalt,  deren  Leistungen  an  dieser  Stelle
veranschaulicht  werden,  sondern  bei  allen  deutschen  Lebensversicherungs-Anstalten ­
  —,  die  Betheiligung  der  Frauen
sehr  weit  zurücksteht  hinter  der  der  Männer.

Es  betrug  der  Bestand  an  Frauenversicherungen

in  Procent  des  Ges.-Bestandes
nach  d.  Pers.  nach  d.  Summen.

in  Procent  des  Bestandes  der
Männerversicherungen
nach  d.  Pers.  nach  d.  Summen.

I829  .  .  .  5,734  5>203  6,083  5'488
Im  Durchschn.
der  Jahre.
1 853  4  •  •  6,289  5,493  6,711  5>8i2
I878  .  .  .  4,663  3>230  4>891  3>338
Der  Anteil  der  Frauen-Versicherungen  an  den  Gesammtversicherungen
  und  ihr  Verhältnis  zu  den  Männerversicherungen
ist  also  nicht  gewachsen,  sondern  zurückgegangen.  Jener  Anteil ­
  und  dieses  Verhältniss  ist  überhaupt  immer  sehr  gering
gewesen.

Die  Durchschnitts-Summen  der  Frauen-Versicherungen
zeigen  keine  grosse  Veränderlichkeit;  sie  sind  stets  kleiner  wie
die  der  Männer  -  Versicherungen,  und  die  letzteren  bekunden
deutlich  eine  Tendenz  zum  Steigen,  namentlich  in  den  letzten
beiden  Jahrzehnten.

IV.  Kapitel.
Alter  der  Versicherten  zur  Zeit  der  Aufnahme.
Einigermaasen  mag  die  Gestaltung  des  Prämientarifes  die
Besetzung  der  verschiedenen  Altersklassen  mit  Neu-Lintretenden
bei  einer  einzelnen  Anstalt  bestimmen.  Auf  Grund  der  Sterblichkeitstabelle, ­
  welche  die  Lebensversicherungsbank  für  Deutschland ­

  bei  Berechnung  ihrer  Prämientarife  benutzt  hat,  sind  die
Prämien  für  jüngere  Alter,  wie  unten  des  Näheren  gezeigt
werden  wird,  verhältnissmäsig  zu  denen  für  höhere  Alter
etwas  zu  hoch  bemessen  worden.  Daher  ist  es  immerhin
möglich,  dass  seit  der  Zeit,  wo  andere  solide  Versicherungs-Institute,
  bei  denen  die  Benutzung  anderer  Sterblichkeitstafeln
vielleicht  das  umgekehrte  Verhältniss  herbeigeführt,  oder  eine
im  Ganzen  der  Wirklichkeit,  dem  wirklichen  Bedarfe,  näher
kommende  Scala  ermöglicht  hatte,  ihre  Dienste  zur  Verfügung
stellten,  in  manchen  Fällen  von  Jüngeren  diesen  anderen  Anstalten, ­
  von  A  eiteren  der  Gothaer  Anstalt  der  Vorzug  gegeben,
und  so  eine  verhältnissmäsig  stärkere  Besetzung  der  jüngeren
Altersklassen  dort,  der  höheren  hier  mit  Neu-Eintretenden  herbeigeführt ­
  wurde.  Zu  einer  sicheren  Prüfung  dieser  Annahme
auf  ihr  Zutreffen  fehlt  das  Material.
Einigermaasen  werden  auch  gewisse  nationale  und  Cultur-Eigenthümlichkeiten,
  sowie  natürliche  Verhältnisse,  welche  zusammengenommen
  die  frühere  oder  spätere  Entwickelung  der
körperlichen  und  geistigen  Fähigkeiten,  das  frühere  oder  spätere
Erwachen  des  Selbständigkeitsgefühls  und  der  Sorge  für  die
Zukunft,  den  früheren  oder  späteren  Eintritt  der  wirtschaftlichen ­
  Selbständigkeit  bestimmen,  ihren  Einfluss  auf  den  früheren
oder  späteren  Eintritt  der  Benutzung  der  Lebensversicherung
geltend  machen.
Im  Grossen  und  Ganzen  wird  wohl  überall,  wo  die
Lebensversicherung  heimisch  ist,  wenigstens  von  Männern,  die
Periode  vom  25.  bis  zum  40.  Jahre  am  häufigsten  zum  Eintritt
in  den  Verband  einer  Lebensversicherungs-Anstalt  benutzt
werden;  in  Deutschland  wird  man  diese  Periode  mit  einiger
Sicherheit  noch  etwas  enger,  nämlich  durch  das  30.  und
37.  Lebensjahr,  begrenzen  können.
Auf  den  Tabellen  IV  —VI,  welche  die  Besetzung  der
verschiedenen  Eintrittsalter  mit  Eintretenden  veranschaulichen,
findet  man  nur  die  Altersklassen  vom  15.  bis  zum  67.  Lebensjahre ­
  vertreten;  denn  die  Bank  gewährt  auf  das  Leben  von
unter  Fünfzehnjährigen  und  von  über  Siebenundsechzigjährigen
keine  Versicherung.  Die  hier  folgende  graphische  Darstellung
hat  den  Zweck,  zu  zeigen,  in  welchen  Lebensaltern  in  jedem
der  fünf  Jahrzehnte  von  1829  —1878  und  in  dem  ganzen
fünfzigjährigen  Zeiträume  die  meisten  Mitglieder  überhaupt,  und
dann  die  meisten  männlichen  und  die  meisten  weiblichen  Mitglieder ­
  in  den  Bankverein  eintraten.
Die  Zahl  der  beigetretenen  männlichen  Personen  überwiegt ­
  so  sehr,  dass  die  die  Veränderungen  ihrer  meistbesetzten
Beitrittsalter  bezeichnende  Curve  der  Curve  für  alle  Beitretenden
überhaupt  stets  parallel  geht.
In  den  einzelnen  fünf  Jahrzehnten  sind  die  meistbesetzten
Beitrittsalter  für  Eintretende  überhaupt  und  für  eintretende
Männer  der  Reihenfolge  nach:  das  35.,  das  36.,  das  33.,
das  35.,  das  30.  Lebensjahr.  In  der  ganzen  fünfzigjährigen
Periode  überwiegt  das  35.  Lebensjahr.
(Die  betreffende  Tabelle  siehe  nächste  Seite.)
Die  Lebensjahre,  in  welchen  die  meisten  Personen  überhaupt ­
  und  die  meisten  männlichen  Personen  beitreten,  wechseln
nicht  stark  ;  der  Unterschied  zwischen  dem  niedrigsten  und
dem  höchsten  meistbesetzten  Beitrittsalter  beträgt  nur  sechs
Jahre,  und  zweimal  kehrt  in  den  fünf  zehnjährigen  Perioden
das  35.  Lebensjahr  als  meistbesetztes  Beitrittsalter  wieder.  Den
Grund  dieser  Erscheinung  wird  man  darin  zu  suchen  haben,
dass  diejenigen  Motive,  welche  am  häufigsten  zum  Abschluss
einer  Lebensversicherung  bei  Männern  führen,  sich  in  Deutschland ­
  vornehmlich  in  den  Altersklassen  vom  30.  bis  zum  36.  Lebens-
            
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