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bewaffnet mit der ganzen Bildung meines Jahrhun
derts!"
Nach Beendigung seiner Universitätsstudien (1845) be
gab sich Lassalle auf kurze Zeit nach Paris und trat dort
mit H. Heine in regen Verkehr. Er nahm sich des kranken
Dichters in einem Erbschaftsstreite mit großer Energie an
und gewann so sehr dessen Gunst, daß Heine in einem Briefe
an Barnhagen von Ense (vom 3. Jan. 1846) voll Begeisterung
von dem 20jährigen Jüngling schreibt: „Mein Freund Herr Las-
salle,der Ihnen diesen Brief bringt, ist ein junger Manu von den
ausgezeichnetsten Geistesgaben: mit der gründlichsten Gelehr
samkeit, mit dem weitesten Wissen, mit dem größten Scharf,
sinn, der mir je vorgekommen, mit der reichsten Begabniß
der Darstellung verbindet er eine Energie des Willens und
eine Habilité im Handeln, die mich in Erstaunen setzen, und
wenn seine Sympathie für mich nicht erlischt, so erwarte ich
von ihm den thätigsten Vorschlib. Jedenfalls war diese Ver
einigung von Wiffen und Können, von Talent und Charak-
ter, für mich eine freudige Erscheinung . . . Herr LassaUe
ist nun einmal so ein ausgeprägter Sohn der neuen Zeit,
die nichts von jener Entsagung und Bescheidenheit wiffen
will, womit wir uns mehr oder niinder heuchlerisch in un-
serer Zeit hindurchgelnngert und hindurchgefaselt. — Dies
neue Geschlecht will genießen und sich geltend machen im
Sichtbaren; wir, die Alten, beugten uns demüthig vor dem
Unsichtbaren, haschten nach Schattenküssen und blauen Blu
mengerüchen, entsagten und flennten, und waren doch vielleicht
glücklicher, als jene harten Gladiatoren, die stolz dem Kainpfes-
tode entgegen gehen." Aus einem anderen Briefe Heine's
an den Vater Lassalle's können wir auf die religiöse Stel
lung Lassalle's einen Schluß ziehen. Heine schreibt, „er
möchte sein Gesicht sehen" wenn ihm zu Ohren kommt, daß