Contents: Die Social-Demokratie

222 Anhang. 
bewaffnet mit der ganzen Bildung meines Jahrhun 
derts!" 
Nach Beendigung seiner Universitätsstudien (1845) be 
gab sich Lassalle auf kurze Zeit nach Paris und trat dort 
mit H. Heine in regen Verkehr. Er nahm sich des kranken 
Dichters in einem Erbschaftsstreite mit großer Energie an 
und gewann so sehr dessen Gunst, daß Heine in einem Briefe 
an Barnhagen von Ense (vom 3. Jan. 1846) voll Begeisterung 
von dem 20jährigen Jüngling schreibt: „Mein Freund Herr Las- 
salle,der Ihnen diesen Brief bringt, ist ein junger Manu von den 
ausgezeichnetsten Geistesgaben: mit der gründlichsten Gelehr 
samkeit, mit dem weitesten Wissen, mit dem größten Scharf, 
sinn, der mir je vorgekommen, mit der reichsten Begabniß 
der Darstellung verbindet er eine Energie des Willens und 
eine Habilité im Handeln, die mich in Erstaunen setzen, und 
wenn seine Sympathie für mich nicht erlischt, so erwarte ich 
von ihm den thätigsten Vorschlib. Jedenfalls war diese Ver 
einigung von Wiffen und Können, von Talent und Charak- 
ter, für mich eine freudige Erscheinung . . . Herr LassaUe 
ist nun einmal so ein ausgeprägter Sohn der neuen Zeit, 
die nichts von jener Entsagung und Bescheidenheit wiffen 
will, womit wir uns mehr oder niinder heuchlerisch in un- 
serer Zeit hindurchgelnngert und hindurchgefaselt. — Dies 
neue Geschlecht will genießen und sich geltend machen im 
Sichtbaren; wir, die Alten, beugten uns demüthig vor dem 
Unsichtbaren, haschten nach Schattenküssen und blauen Blu 
mengerüchen, entsagten und flennten, und waren doch vielleicht 
glücklicher, als jene harten Gladiatoren, die stolz dem Kainpfes- 
tode entgegen gehen." Aus einem anderen Briefe Heine's 
an den Vater Lassalle's können wir auf die religiöse Stel 
lung Lassalle's einen Schluß ziehen. Heine schreibt, „er 
möchte sein Gesicht sehen" wenn ihm zu Ohren kommt, daß
	        
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