Full text : Mittheilungen aus der Geschäfts- und Sterblichkeits-Statistik der Lebensversicherungsbank für Deutschland zu Gotha für die fünfzig Jahre von 1829 - 1878

V.  Tlieil.  Statistik  der  Sterblichkeitsverliältnisse.

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für  die  Gestorbenen  sind  x—V2  bis  dieselben  ändern
sich  aber  gleichmäsig  und  gehen  schliesslich  in  x-j- 1 ,^  bis
x-f-iS  über.  Zu  Anfang  des  Jahres  erhalten  also  alle  Gestorbenen ­
  das  (abgerundete)  Sterbealter  x,  zu  Ende  des  Jahres
das  Sterbealter  x-j-G  in  der  Mitte  des  Jahres  (dieser  Zeitpunkt ­
  ist  durch  die  punktirte  Linie  angedeutet)  erhält  die
Hälfte  der  Sterbenden  das  abgerundete  Sterbealter  x,  die
andere  Hälfte  das  Sterbealter  x-|-1  und  in  jedem  anderen
Zeitpunkt  stellt  sich  das  Verhältnis  so,  wie  es  durch  die
Diagonale  in  dem  Rechteck  A  A  bezeichnet  wird.  Dieselben
Schlüsse  gelten  natürlich  auch  für  die  Sterbefälle,  welche  aus
den  Lebenden  des  Alters  x  —  1  (x  —  1  V2  bis  x—V2)  hervorgegangen ­
  sind  (Rechteck  ER),  auch  hier  bezeichnet  die
Diagonale  die  Scheidelinie  zwischen  den  Sterbefällen,  welche
dem  (abgerundeten)  Sterbealter  x—1  und  denjenigen,  welche
dem  Sterbealter  x  zugeschrieben  werden.  Die  den  Lebenden
des  Alters  x  (x  — 1 ¡<¿  bis  x-j-V2)  gegenüberzustellenden
Sterbefälle  setzen  sich  also,  sofern  die  Sterbefälle  nur  nach
abgerundeten  Sterbealtern  gegeben  sind,  aus  der  Hälfte  derjenigen, ­
  welche  dem  abgerundeten  Sterbealter  x  angeboren
(die  Gesammtzahl  derselben  ist  durch  die  scbraffirte  Fläche
dargestellt)  und  der  Hälfte  derjenigen,  welche  dem  abgerundeten ­
  Sterbealter  x  -|-  1  angeboren  (die  herüberzuziehende
Hälfte  ist  hier  in  der  Zeichnung  überhaupt  nur  angedeutet),
zusammen.
Die  nach  der  eben  auseinandergesetzten  Methode  berechneten ­
  Zahlen  der  Sterbefälle  und  die  aus  diesen  und  den  gegebenen ­
  Zahlen  der  Lebenden  unter  Risico  hervorgehenden
Sterblichkeitsprocentsätze  können  natürlich  nicht  auf  völlige
Exactheit  Anspruch  machen;  sie  sind  in  den  meisten  Fällen
nur  annähernd  richtig,  weil  die  Verkeilung  der  Sterbefälle,
wenn  sie  im  Allgemeinen  auch  die  Tendenz  bat,  eine  gleiclimäsige
  zu  sein,  in  Wirklichkeit  eine  solche  genau  doch  nur
selten  ist.  Der  Fehler,  welcher  den  einzelnen  Resultaten  eventuell ­
  anhaften  wird,  hat  indessen  doch  nur  darin  seinen  Grund,
dass  die  dem  betreffenden  Alter  zugehörenden  Sterbefälle
theilweise  auf  das  eine  oder  das  andere  der  beiden  Nebenalter
verschoben  worden  sind  ;  er  ist  also  stets  von  einem  oder  von
zwei  entgegengesetzten  Fehlern  begleitet,  welche,  sofern  man
den  allgemeinen  Verlauf  der  Gurve  im  Auge  bat,  sich  mit
dem  ersteren  ausgleichen.  Fasst  man  überdies  —  wie  dies
in  den  folgenden  Untersuchungen  der  Fall  ist  —  die  Resultate
nicht  nach  1  jährigen,  sondern  nach  mehrjährigen  Altersklassen
zusammen,  so  engen  sich  die  möglichen  Fehlergrenzen  auch
absolut  sehr  ein;  denn  alsdann  kann  eine  Verschiebung  überhaupt ­
  nur  für  die  beiden  äussersten  Alter  stattfinden,  indem
die  Sterbefälle  der  übrigen  Alter  (in  der  Altersklasse)  unbedingt ­
  aus  den  ihnen  gegenüber  zu  stellenden  Lebenden
hervorgegangen  sein  müssen.  Aus  den  Lebenden  der  Altersklasse ­
  21  bis  30  müssen  z.  E.  unbedingt  alle  diejenigen  Sterbefälle ­
  hervorgegangen  sein,  welche  den  abgerundeten  Sterbealtern
22  bis  30  angehören,  eine  Correction  ist  also  hier  nur  nöthig
für  diejenigen  Sterbefälle,  welche  den  abgerundeten  Sterbealtern
21  und  31  angehören  und  welche  zum  Tlieil  auch  den  Altern
20  und  31  gegenüber  zu  stellen  sind.  Dementsprechend
reducirt  sich  die  wirkliche  Rechnung  bei  einer  Zusammenfassung ­
  nach  mehrjährigen  Altersklassen  auch  lediglich  darauf,
dass  von  der  Summe  der  Sterbefälle  derselben  Altersklasse
(welche  sich  uncorrigirt  noch  auf  die  abgerundeten  Sterbealter
beziehen)  die  Hälfte  der  Sterbefälle  des  jüngsten  Alters  in  Abgang ­
  und  die  Hälfte  der  Sterbefälle  des  jüngsten  Alters  der
nächstfolgenden  Altersklasse  in  Zugang  gebracht  werden.
ln  der  nachstehenden  Tabelle  (1)  enthält  Col.  (a)
die  »reducirten«  Zahlen  der  »Lebenden  unter  Risico«,  welche
von  den  aus  der  Tabelle  XXVII  (bei  entsprechender  Zusammenfassung) ­

  hervorgehenden  Zahlen  natürlich  nur  in  der  letzten
Altersklasse  ein  wenig  abweichen;  die  mit  t  bezeichneten
Spalten  enthalten  die  zugehörigen  Zahlen  der  Slerbefälle  und
die  mit  °/oo  bezeichneten  Spalten  das  Verhältniss  dieser  Sterbefallzahlen ­
  zu  den  entsprechenden  Zahlen  der  Lebenden  unter
Risico  (in  pro  mille  ausgedrückt);  die  erste  Spalte  (*j*)  der  mit
(b)  bezeichneten  Columne  enthält  die  Summe  der  Sterbefälle
aller  vorhergehenden  Columnen  von  (1)  bis  (23)  und  die  danebenstehende ­
  Spalte  (°/o0)  das  entsprechende  Verhältnis  dieser
Summe  zu  der  Zahl  der  Lebenden  unter  Risico,  welches  mit
der  Summe  der  Procentsätze  von  (1)  bis  (23)  genau  übereinstimmen ­
  würde,  wenn  die  Abrundung  auf  zwei  Decimal  en
nicht  kleine  Differenzen  zur  Folge  hätte.  Die  Columne  (b)  giebt
also  das  allgemeine  Maas  der  Sterblichkeit,  wie  es  sich  ohne
Rücksicht  auf  die  Todesursachen  nach  der  hier  in  Rede  stehenden ­
  Methode  berechnet,  die  Columnen  (1)  bis  (23)  zeigen  dagegen ­
  an,  in  welcher  Weise  sich  dieses  allgemeine  Maas  auf
die  einzelnen  Todesursachen  vertheilt,  oder  mit  anderen  Worten,
welchen  Antheil  die  einzelnen  Todesurschen  an  der  Sterblichkeit ­
  hatten.  In  der  letzten  Columne  (c)  ist  die  allgemeine
Sterblichkeit  noch  nach  einer  anderen  Methode  berechnet,
nämlich  nach  den  Zahlen,  wie  sie  direct  aus  Tabelle  XXVII
hervorgehen,  wenn  die  nachträglichen  Beobachtungen  (für  85
und  darüber)  weggelassen  werden.  Da  diese  Zahlen  absolut
genau  sind,  so  gewährt  der  Vergleich  der  Columnen  (b)  und  (c)
einen  practischen  Maasstab  dafür,  wie  gross  im  Allgemeinen
die  Abweichungen  sind,  welche  die  erste  Methode  veranlasst,
wobei  nur  zu  beachten  ist,  dass  bei  den  absoluten  Zahlen  der
Sterbefälle  der  Fehler  mit  der  Grösse  der  letzteren  wachsen
muss  und  dass  man  es  hier  mit  auf  zwei  Decimalen  berechneten ­
  Promille  Sätzen  zu  thun  hat,  also  mit  schärfer  berechneten
Zahlen  wie  in  allen  früheren  Vergleichen.  Im  Ganzen  genommen ­
  sind,  wie  man  sehen  wird,  die  Unterschiede  äusserst
gering,  geringer  selbst  als  diejenigen,  welche  bei  regelrechten
Ausgleichungen  Vorkommen  (man  vergleiche  z.  B.  die  in  Kapitel
III  aufgeführten  ausgeglichenen  und  unausgeglichenen  Sterblichkeitsprocentsätze ­
  der  20  englischen  Gesellschaften,  welche
auf  eine  Stelle  weniger  berechnet  sind).
(Siehe  Seite  70.)
Die  vorstehende  Tabelle  bietet  zu  manchen  interessanten
Betrachtungen  Anlass.  Die  Häufigkeit  der  Lungenschwindsucht
(4)  als  Todesursache  verändert  sich  hiernach  mit  dem  Alter
ungefähr  so,  wie  man  von  vornherein  anzunehmen  geneigt
ist;  allein  das  eigentliche  Maximum  fällt  nicht,  wie  fast  allgemein ­
  geglaubt  wird,  auf  eine  mittlere  Altersklasse,  sondern
auf  die  Altersklasse  61  bis  70  ;  ein  secundares  Maximum  zeigt
die  Altersklasse  15  bis  30.  Die  Infectionskrankheiten  sub
(2)  und  (3)  gewinnen  mit  dem  Alter  durchgängig  steigende
Bedeutung  als  Todesursache  ;  Typhus  dagegen  gewinnt  eine
solche  erst  vom  31.  Jahre  ab;  der  Satz  der  ersten  Altersklasse
überwiegt  den  der  folgenden  um  ein  Geringes.  Die  Gefahr,
an  Krebs  zu  sterben,  steigt  bis  zu  der  vorletzten  Altersklasse
consequent;  in  der  letzten  findet  aber  ein  Rückgang  statt,  der,
wenn  er  sich  auch  nur  auf  10  beobachtete  Sterbefälle  stützt,
doch,  wie  man  aus  einer  folgenden  Tabelle  ersehen  wird,  nicht
ganz  auf  Zufall  zu  beruhen  scheint.  Eine  durchgängige  Zunahme ­
  zeigen  ferner:  Chronische  Gehirn-  und  Rückenmarksleiden ­
  (IO),  Entzündliche  Krankheiten  der  Organe  der  Brusthöhle ­
  (11),  Chronische  Entzündungen  der  Lungenschleimhaut
(12),  Chronische  Leberkrankheiten  (15),  Gehirnschlagfluss  (18)
und  Lungenschlagfluss  (19);  eine  fast  durchgängige  —  nur  unterbrochen ­
  durch  eine  einzige,  wohl  meist  von  ungenügender
Zahl  der  Beobachtungsfälle  herrührende  Ausnahme  —  zeigen:
Chronische  Herzkrankheiten  (13),  Unterleibsentzündung  (14),
            
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