Kapitel III. Die Pessimisten.
165
zu kennen, die Stelle, wo Tuegot sagt: „es ist selbstverständlich,
daß, im Maße wie die Bewirtschaftung sich ausdehnt, der jährliche
Zuwachs des Durchschnittsertrages, ständig geringer wird“ r ). Eicardo
sah dies Gesetz unter seinen Augen in Kraft. Oft spricht er, wenn
auch etwas dunkel, von der Verringerung im Ertrage der Kapitalien,
die nach und nach in den gleichen Boden gesteckt werden. Er weist
darauf hin, daß sogar in diesem Falle, d. h. ohne daß neue Land
striche in Bearbeitung genommen werden, die Bodenrente in Erschei
nung tritt.
In der Tat, wenn wir bei unserem Boden Nr. I bleiben, der das
Getreide zu 10 Fr. den Hektoliter erzeugt, uud wenn wir annehmer^/)
daß wir versuchen, im Falle die Bedürfnisse eine Erhöhung des Ernte
ertrages notwendig machen, den Ertrag bei Nr. I zu erhöhen, anstatt
Boden Nr. II urbar zu machen, so werden wir hierbei nichts ge
winnen. Denn die neuen Hektoliter, die auf dem Boden Nr. 1 er
zeugt werden, werden 15 Fr. kosten, genau wie die vom Boden Nr. II,
und ihr Preis wird den Marktpreis bestimmen: der Preis eines jeden
Hektoliters wird daher auf 15 Fr. steigen, und der Besitzer wird ebenso
eine Bodenrente beziehen, weil seine zwei Hektoliter sich zum gleichen
erhöhten Preise verkaufen, nämlich 15 plus 15 gleich BO Fr., obgleich
sie ihm doch nur 10 plus 15 Fr. gleich 25 Fr. gekostet haben 2 ).
dem auf sie ausgeübten Druck größeren Widerstand entgegensetzen und ein Gewicht,
unter dem sie am Anfang um einen Zoll nachgegeben hätte, wird sie nur noch um
eine halbe Linie biegen. So wird die Wirkung beständig geringer werden.“
„Dieser Vergleich ist zwar nicht ganz genau, genügt aber, um verstehen zu
lassen, wie es kommt, daß auch eine sehr hohe Kostenanfwendung den Ertrag nur
sehr wenig steigern kann, wenn der Boden nahe an die Grenze seiner Ertragsfähig
keit gelangt ist.“
Der durchdringende Geist Tuegoi’s hat damit eine in den Darlegungen der
klassischen Ökonomisten gewöhnlich unbeachtet gebliebene Tatsache hervorgehoben,
nämlich, daß es am Beginn der Bodenbewirtschaftung eine Periode des Optimum
gibt, während der der Ertrag mehr als proportional ist.
') Bemerkenswert ist, daß das Gesetz des sinkenden Bodenertrages (Loi du
rendement non-proportionnel) sich schon in der zweiten der beiden berühmten Pro
gressionsreihen Malthus’ findet, denn die arithmetische Eeihe, die er als Maßstab
des Wachstums der Lebensmittel gibt —• 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, . . . 100, usw. setzt
natürlich ein um so langsameres Wachstum voraus, je höher die Keihe steigt,
d. h. die Zeit fortschreitet. Ein Peld gibt z. B. einen Ertrag 1; in 25 Jahren 2
oder 100 °/ 0 mehr, was nichts besonders wunderbares hat, weil es in die erste Zeit
der Bewirtschaftung fällt. Am Ende einer zweiten Periode von 25 ist der Ertrag
gleich 3; die Vermehrung ist immer gleich 1, aber die Proportion ist jetzt nur noch
60 %; so fällt das Wachstum auf 33°/ 0 , 25 °/ 0 , 20°/ o und am Ende der 100. Periode
nach 2500 Jahren beträgt es nur noch 1 % nnd wird stetig, wenn auch immer lang
samer, geringer.
2 ) Die von Ricakdo gegebene Erklärung ist in eine etwas andere Eorm ge
kleidet. „Wenn ein Pächter aus seinem Land mit einem Kapital von 1000 Pfund