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Die Bedeutung des Tausches im ñrbeits- u. Wertbildungsprozeß
werden die alten Römer über die Faulheit jener Ger
manenstämme geklagt haben, bei denen ihnen keine
Zwangsmittel zur Verfügung standen. Schon Tacitus
berichtet, daß sie auf ihren Bärenhäuten gelegen
und mehr Interesse für das Methorn als für rö
mische Straßenbauten und Limes gezeigt hätten.
Diese Faulheit bedeutete weiter nichts, als daß
sie noch freie Wahl hatten, ob sie ihre Arbeitskraft
gegen eine Sache eintauschen wollten oder nicht.
In demselben Maße aber, wie die alten germanischen
Dorfgemeinden ihr Land verloren, verloren sie auch
diese Freiheit des Tausches. Sie kamen unter politischen
Zwang, der heute noch alle Verhältnisse in so hohem
Grade beherrscht und verschleiert, daß man auf einfachste
Formen zurückgreifen muß, will man überhaupt den
inneren Zusammenhang der Dinge verstehen.
Der freie afrikanische Schwarze bietet, wie ge
sagt, noch solch ein Bild, solange ihm sein heimatlicher
Grund und Boden zur uneingeschränkten Verfügung
steht. Wenn er sich dem Kapital unterordnen und zur
Plantagenarbeit entschließen soll, so muß ihm etwas
geboten werden, was ihn anreizt, entweder muß er
von einem Gegenstand seiner bisherigen Produktions
sphäre für eine Tagesarbeit so viel Lohn erhalten, wie er
sonst nur in zwei und mehr Tagen zu erwerben im
stande gewesen ist, oder es müssen neue Bedürfnisse in
ihm geweckt werden, die so mächtig sind, daß sie ihm
den Tausch der angebotenen Dinge gegen eine bestimmte
Zeit seiner Arbeit wünschenswert erscheinen lassen. Sonst
arbeitet er eben auf seinem Lande. Immer bleibt seine
Wahl eine freie, und wenn von irgend einem einseitigen
Vorteil die Rede sein kann, so liegt er in diesem Stadium
entschieden noch auf Seiten des Arbeitnehmers,