Full text : Laienbrevier der National-Ökonomie

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5.  Kapitel

denn  er  hat  es  in  der  Hand,  die  Substanz  seiner  Arbeit,
nachdem  der  Arbeitsvertrag  eingegangen  ist,  nicht  unwesentlich ­
  zu  ändern,  eine  Tatsache,  die  die  Quelle  vieler
Lohnstreitigkeiten  ist.
Der  Arbeitgeber  bietet  einen  bestimmten  Wert  in
Erwartung  einer  bestimmten  Leistung.  Da  letztere,  ohne
mala  fide  zu  sein,  immerhin  bis  zu  einem  gewissen
Grade  dehnbar  ist,  und  die  Menschen  gemeinhin  lieber
weniger  als  zu  viel  arbeiten,  so  ist  der  Arbeitgeber
im  eigenen  Interesse  gezwungen,  stets  einen  moralischen
Druck  auf  den  Arbeitnehmer  auszuüben,  ihn  zur
höchsten  Leistung  anspornend,  wo  immer  ein  festes
Lohnverhältnis  vorliegt.  Es  treten  eben  die  bekannten
Meinungsverschiedenheiten  über  die  relative  Bewertung ­
  von  Leistung  und  Gegenleistung  auf.
Untersuchen  wir  einmal  einen  solchen  Fall  vollster ­
  Tauschfreiheit  in  allen  seinen  volkswirtschaftlichen
Wirkungen.
Ein  Neger  hat  seit  urdenklichen  Zeiten  Zuckerrohr ­
  gepflanzt,  den  Saft  auf  einer  kleinen  Handmühle
ausgequetscht  und  nach  50  tägiger  Arbeit  im  Felde  und
50  tägiger  in  der  Mühle  aus  1000  Zentnern  Nohr
100  Zentner  Zucker  hergestellt,  genug,  um  im  Eintausch
dafür  den  Lebensunterhalt  seiner  Familie  zu  bestreiten. ­
  Nun  etabliert  sich  dort  eine  moderne  Zuckerfabrik, ­
  die  schon  aus  500  Zentnern  Zuckerrohr  so  viel
Zucker  herstellt  als  der  Neger  aus  1000  Zentnern
zu  gewinnen  vermochte,  welche  Wirkung  übt  sie  auf
unseren  Pflanzer?
Zunächst  bei  gleichbleibendem  Konsum,  weil
100  Zentner  Zucker  den  Bedarf  der  Gegend  decken,
die  Ausbeute  sich  aber  durch  das  in  den  Maschinen
angelegte  Kapital  verdoppelt,  so  braucht  die  Fabrik
            
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