Full text: Laienbrevier der National-Ökonomie

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5. Kapitel 
Bürgertum, weil mit Ausnahme von ein paar Handels 
städten, von der Landbevölkerung lebend, z. T. selbst 
Ackerbau treibend, fristet ein kümmerliches, in klein 
lichsten Verhältnissen dahinfließendes Ceben; die Abteien, 
die Klöster, die Bischofspaläste aber strotzen von Reich 
tum, und der hohe Adel und die Höfe treiben einen an 
Wahnsinn grenzenden Luxus. In ihren Händen und 
denen ihrer Parasiten vollzieht sich die einzig nennens 
werte Vermögensbildung jener Zeit. Und ängstlich 
wahren sie das Privilegium des Landbesitzes. Nach 
allen Seiten sucht man ihn auszudehnen, häufig sogar 
unter Anwendung schwerer Rechtsbeugungen, und die 
hergäbe an andere geschieht meist nur auf dem Wege 
der Pacht, so daß es dem breiten Mittelstand immer 
schwerer wird, ein Stück seines vaterländischen Bodens 
zu besitzen, zumal die ganze durch Adel und Klerus 
beeinflußte Gesetzgebung die Erhaltung dieses Zustandes 
begünstigt. 
Da bricht mit der französischen Revolution die 
.Herrschaft des dritten Standes an, und neben den poli 
tischen Rechten steht der Kampf um den Grund und 
Boden in erster Linie. Der Landhunger war so groß, daß 
man die Stimmen der physiokraten überhörte, die vor 
der schrankenlosen Freigabe des Grund und Bodens 
warnten. Man wollte niemanden mehr zwischen sich 
und dem Landbesitz haben, selbst den Staat nicht. Das, 
um was man den Adel und den Klerus so lange beneidet 
hatte, wollte man selbst besitzen, der vaterländische Bo 
den sollte allen zugänglich sein, und der Weg, den man 
beschritt, war die Aufhebung aller Beschränkungen der 
Bodenbesitzverhältnisse und seine schrankenlose Mo 
bilisierung. 
Wenn wir diese verschiedenen Abschnitte machen, so
	        
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