Full text: Laienbrevier der National-Ökonomie

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6. Kapitel 
Der oft gehörte Einwand, daß eine möglichst weite 
Verteilung von Goldmünzen im Lande wünschenswert 
sei, um die Elastizität des Umlaufsmittels zu wahren 
und im Falle einer Krisis und eines Krieges als Re 
servefond zu dienen, ist durchaus nicht stichhaltig, wer 
Gelegenheit gehabt hat, zu beobachten, mit welcher 
unheimlichen Geschwindigkeit das im Umlauf befind 
liche Metallgeld aus einem Lande verschwindet, sowie 
die Währung durch einen Krieg oder eine Krisis er 
schüttert wird, der kommt zur Erkenntnis, daß es ratio 
neller ist, wenn dieses Geld irgendwo konzentriert als 
Deckung von Notenausgaben und dergleichen vorhanden 
ist, als indem es verzettelt von Millionen vielleicht in 
der aller irrationellsten weise verwendet wird, auf 
gespeichert, versteckt ober exportiert. 
Unser deutsches System mit viel Gold und wenig 
Banknoten in Umlauf ist vornehm und schon,- das 
französische aber mit viel Banknoten und wenig Gold 
ist ungleich wirtschaftlicher. — 
Wie bedeutungslos die Funktion des Goldes als 
Geld überhaupt ist, geht daraus hervor, daß die Banque 
de France z. B. im Jahre 1886 hat konstatieren lassen, 
daß von allen Zahlungsoperationen des Jahres 43%°/» 
in Geldsurrogaten, Wechseln und Schecks, 52% in Pa 
piergeld und nur 4 Vs o/o in Gold und Silber statt 
gefunden haben. Line noch überraschendere Tatsache 
ergab sich bei der Bank of England. Bei einer durch 
schnittlichen täglichen Zahlung von 4 445 000 £ ge 
schahen 87Vg"/o in Schecks und wechseln, \2 s / i °/ 0 in 
Banknoten und nur % % in Gold. Ja, an einem Tage 
betrug bei einer Gesamtzahlung von 4775 593 £ die 
Barzahlung nur 4632 £. 
hätten wir keine Geldsurrogate, namentlich aber
	        
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