152
6. Kapitel
Der oft gehörte Einwand, daß eine möglichst weite
Verteilung von Goldmünzen im Lande wünschenswert
sei, um die Elastizität des Umlaufsmittels zu wahren
und im Falle einer Krisis und eines Krieges als Reservefond
zu dienen, ist durchaus nicht stichhaltig, wer
Gelegenheit gehabt hat, zu beobachten, mit welcher
unheimlichen Geschwindigkeit das im Umlauf befindliche
Metallgeld aus einem Lande verschwindet, sowie
die Währung durch einen Krieg oder eine Krisis erschüttert
wird, der kommt zur Erkenntnis, daß es rationeller
ist, wenn dieses Geld irgendwo konzentriert als
Deckung von Notenausgaben und dergleichen vorhanden
ist, als indem es verzettelt von Millionen vielleicht in
der aller irrationellsten weise verwendet wird, aufgespeichert,
versteckt ober exportiert.
Unser deutsches System mit viel Gold und wenig
Banknoten in Umlauf ist vornehm und schon,- das
französische aber mit viel Banknoten und wenig Gold
ist ungleich wirtschaftlicher. —
Wie bedeutungslos die Funktion des Goldes als
Geld überhaupt ist, geht daraus hervor, daß die Banque
de France z. B. im Jahre 1886 hat konstatieren lassen,
daß von allen Zahlungsoperationen des Jahres 43%°/»
in Geldsurrogaten, Wechseln und Schecks, 52% in Papiergeld
und nur 4 Vs o/o in Gold und Silber stattgefunden
haben. Line noch überraschendere Tatsache
ergab sich bei der Bank of England. Bei einer durchschnittlichen
täglichen Zahlung von 4 445 000 £ geschahen
87Vg"/o in Schecks und wechseln, \2 s / i °/ 0 in
Banknoten und nur % % in Gold. Ja, an einem Tage
betrug bei einer Gesamtzahlung von 4775 593 £ die
Barzahlung nur 4632 £.
hätten wir keine Geldsurrogate, namentlich aber