Full text: Laienbrevier der National-Ökonomie

Vas subjektive Gefühl als wirtschaftlicher Faktor 
kundigen Ursachen vielmehr die Regel als die ÑUS' 
nähme ist, daß ihre Wirkungen ihnen voraus 
eilen, und die Bedeutung dieser Tatsache steigert sich 
im selben Maße, wie sich Verkehr und Nachrichten 
dienst entwickeln. 
wenn in Deutschland z. B. im (Oktober eine große 
Rübenernte in Ñussicht steht, dann müßten bei nor 
maler Reihenfolge von Ursache und Wirkung die Zucker 
preise im November anfangen herunterzugehen. Sie 
tun das aber schon in den Monaten vorher, und wür 
den es auch tun ohne die Baisse-Spekulation, einfach 
weil jeder, der mit dem Artikel zu tun hat, die große 
Ernte „eskomptiert" wie der börsentechnische Ausdruck 
heißt. 
wer weiß, oder zu glauben berechtigt ist, daß 
im November Überschuß an einer Ware vorhanden 
sein wird, wäre ein Narr, wenn er im Juli noch 
ohne zwingende Notwendigkeit zu alten Preisen kaufen 
wollte, und alle, die diese Ware zu verkaufen haben, 
versuchen natürlich, sie vor Eintreffen der großen neuen 
Zufuhren los zu werden. 
Umgekehrt liegt die Sache bei einer zu erwartenden 
schlechten Ernte; dann wird der preis schon steigen, 
ehe die Ware tatsächlich knapp ist, weil jeder, der 
sie hat, sie zurückhält, während jeder, der sie nicht 
hat, sich zu versorgen sucht. So verschieben sich An 
gebot und Nachfrage schon vor Eintreten der Tat 
sache, die sie verursacht. 
Daraus erklärt sich auch die dem Laien oft un 
begreifliche Erscheinung, daß mitunter mitten in einer 
großen Ernte die Preise in die höhe gehen und in 
einer kleinen sinken. 
wenn eben der Preissturz oder die Steigerung vor-
	        
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