Full text: Laienbrevier der National-Ökonomie

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Das subjektive Gefühl als wirtschaftlicher Faktor 
Dolksvermögen wäre um Hunderte von Millionen ge 
schädigt. 
Wir sagen nicht, daß mit dem erhöhten Interesse 
nun auch der Aufschwung kommen wird- aber wenn 
er kommt, wenn dann unserer Volkswirtschaft hier 
aus ganz direkte, zahlenmäßig nachweisbare Vorteile 
erwachsen, wem sind sie zu verdanken? Doch le 
diglich dem durch einen starken Willen beeinflußten 
Gefühl. 
Von der größten wirtschaftlichen Wirkung kann 
das Gefühl fein in Zeiten der Arisen. Ñls Ende der 
80 er Jahre die Brasilianische Valuta infolge von maß- 
lvser Papiergeldausgabe und wahnsinniger Finanzwirt 
schaft stark ins Weichen geriet, suchte man durch pe 
riodische Einziehung und Vernichtung großer Mengen 
von Papiergeld dessen Entwertung zu hemmen. 
Obgleich nun tatsächlich die Einäscherung von Tau 
senden von Tontos Noten erfolgte, so blieb die Maß 
regel doch ohne jegliche Wirkung, warum? weil der 
Glaube fehlte. Man konnte sich wohl von der Tat 
sache der Einäscherung der Noten überzeugen, aber man 
war nicht sicher, ob nicht das Ganze eine Romödie war, 
und ob nicht im geheimen, um das gähnende Defizit 
Zu decken, ebenso viele neue Noten in Umlauf ge 
setzt wurden. Also die Tatsache blieb ohne Wirkung. 
Damals standen sich zwei Meinungen schroff gegen 
über. Die eine prophezeite mit mathematischer Sicher 
heit den baldigen Staatsbankrott, die andere glaubte 
an die Zukunft. Rein zahlenmäßig war ohne Zweifel 
der Staatsbankrott vorhanden, gar nicht abzuwenden,- 
dennoch war der Glaube, daß das Land die Krisis über 
stehen werde, stärker als die Zahlen, wäre das nicht 
der Fall gewesen, so hätten durch die Einstellung der
	        
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