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7. Kapitel
Zinszahlung Tausende ihr vermögen verloren, unzäh
lige Familien wären an den Bettelstab gebracht worden.
So half der Kredit über die Krisis hinweg und
führte zu einer Gesundung der Verhältnisse, die heute
noch andauert.
Dhne den Glauben der englischen Hochfinanz an
die Zukunft des Landes hätte, zwischen der Zeit der
beginnenden Krisis und heute, für alle, die mit Bra
silien zu tun hatten, eine Zeit ungeheurer Verluste ge
legen, die nun einfach vermieden worden ist.
Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse heute mit dem
russischen Kredit. (Es mag mit den dicksten Büchern, mit
ungeheurem Zahlenmaterial hundertmal nachgewiesen
werden, Rußland sei eigentlich bankrott- so lange die
Nerven der pariser Bankiers aushalten, ist noch gar nicht
gesagt, daß nun auch der Zusammenbruch erfolgen wird.
Db nun der Glaube in den Pariser Kreisen ein fester
oder verzweifelter ist, ob bei ihnen der Wunsch der
Vater des Gedankens ist oder nicht, hat nur relative
Bedeutung,- es genügt, daß er besteht. Bricht er zu
sammen, kann Rußland unter keinen Umständen auf
neue Ñnleihen rechnen, so verlieren Tausende ihr ver
mögen, und es ist nicht abzusehen, wie weit eine solche
Erschütterung der Kaufkraft des französischen Volkes
wirken würde.
hält er stand bis zu einer Zeit, wo die Ver
hältnisse sich bessern, dann wird das ganze wirtschaft
liche Elend vermieden, das ein solcher Zusammenbruch
mit sich bringt. Die Frage, ob jemand heute 10 000 Mark
Einnahme aus Russenpapieren hat oder keine, liegt
also viel weniger in den tatsächlichen Verhältnissen
des Landes, denn diese sind wirklich ungünstig genug,
sondern darin, ob bei den leitenden Finanzkreisen,