Full text : Laienbrevier der National-Ökonomie

173

Das  subjektive  Gefühl  als  wirtschaftlicher  Faktor

häufig  nur  bei  einigen  führenden  Persönlichkeiten,  das
Defühl  des  Vertrauens  bestehen  bleibt  oder  zerbricht.
Einen  Faktor  aber,  der  so  mächtig  wirken  kann,  wird
man  wohl  berechtigt  sein,  als  einen  wirtschaftlichen
anzusprechen.
In  der  Tat  beruht  ja  auch  heute  ein  ganz  großer
Teil  unseres  lvirtschaftslebens  lediglich  auf  Krebit,  auf
Vertrauen,  also  auf  Gefühl.  Tine  Erschütterung  des
Vertrauens  hat  daher  auch  ganz  unermeßliche  wirtschaftliche ­
  Verluste  im  Gefolge,  die  naturgemäß  um
sa  größer  sind,  je  größer  vorher  die  Einwirkung  des
Kredits  auf  die  lvertbildung  war.  Bet  waren  bringt
eine  Krisis  zunächst  einen  Preissturz,  da  die  Kaufkraft ­
  der  Masse  abnimmt,  und  viele  Warenlager  verschleudert ­
  werden  müssen,  aber  bald  folgt  durch  Einschränkung ­
  der  Produktion  ein  gewisser  Ñusgleich,  der
langsam  zur  Überwindung  der  Krisis  führt.  Die  größten ­
  Katastrophen  treten  dort  ein,  wo  der  Kredit  geradezu ­
  einen  Faktor  der  Preisbildung  darstellt,  nämlich ­
  beim  spekulativen  Grundbesitz.  Line  Ware  kann
sich  nie  lange  im  werte  von  ihrer  Herstellungsbasis  entfernen, ­
  wenn  schon  diese  sich  natürlich  bedeutend  verschieben ­
  kann,'  auch  der  landwirtschaftliche  Grund  und
Boden  wird  in  einem  ungefähren  Verhältnis  zu  seinem
Ertrag  bleiben,'  aber  in  den  spekulativen  werten  unserer ­
  Großstädte  kann  die  Erschütterung  des  Vertrauens
Entwertungen  herbeiführen,  die  alles  bisher  Dagewesene
in  den  Schatten  stellen.  Denn  hier  handelt  es  sich  um
gänzlich  eingebildete  werte,  wenn  ein  Mietshaus  in
Berlin  35000  Mark  Miete  bringt,  wird  es  mit  zirka
500000  Mark  bewertet.  Davon  entfallen  zirka
200  000  Mark  auf  das  Gebäude,  300  000  Mark  auf  den
Drund  und  Boden,  bei  einer  hypothekarischen  Belastung,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.