Full text : Laienbrevier der National-Ökonomie

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2.  Kapitel

Indem  der  Künstler  Schönheit  oder  Geist  oder,
was  es  sei,  in  sein  Werk  hineinlegt,  das  in  dem  Beschauer ­
  den  Wunsch  rege  macht,  es  zu  besitzen,  oder
indem  er  durch  seine  Werke  die  Sinne  seines  Volkes
in  eine  höhere  Geschmacksrichtung  lenkt,  schafft  er
gleichzeitig  mit  einem  Gegenstände  auch  die
Nachfrage  danach.  (Er  wirkt  in  doppelter  weise
wertbildend.
Dasselbe  gilt  vom  Kunstgewerbe,  wenn  z.  B.  in
der  Keramik  eine  Fabrik  mit  neuen,  schönen  Vasen,
Majoliken  usw.  hervortritt,  so  erregt  sie  durch  die
Schönheit  ihrer  Fabrikate  in  Tausenden  den  Wunsch,
sie  zu  besitzen.
Die  Menschen  waren  bis  dahin  vollständig  glücklich ­
  und  zufrieden  ohne  diese  Dinge,  aber  mit  ihrem
Erscheinen  schuf  der  Künstler,  der  sie  formte,  zugleich ­
  den  Begehr  danach,  und  der  wert,  den  sie  infolgedessen ­
  haben,  hat  volkswirtschaftlich  eine  viel
höhere  Bedeutung,  als  die  in  jenen  Artikeln  nach  alter
Auffassung  vorhanden  sein  sollenden  sogenannten  Normalarbeitstage. ­

Diese  Erregung  des  Begehrs  kann  nun  in  die
Gegenstände  selbst  hineingelegt  sein,  wie  bei  Kunstwerken ­
  und  Erzeugnissen  des  Kunstgewerbes,  oder  sie
kann  auf  dem  Wege  der  Reklame,  durch  Schaustellungen,
kaufmännische  Propaganda  usw.  erregt  werden,  immer ­
  haben  wir  es  mit  durchaus  reellen,  meßbaren
werten  zu  tun.
Nehmen  wir  z.  B.  jene  zahlreichen  medizinischen
Präparate,  oder  jene  bekannte,  neu  eingeführte  „Maggiwürze" ­
  !  hiervon  wäre  ein  Lager  von  10  000  Flaschen
vollkommen  wertlos,  wenn  es  dem  Fabrikanten  nicht
gelänge,  durch  geschickte  Reklame  den  Begehr  danach
            
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