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4. Kapitel
Arbeitsteilung
und Kapitalbildung
Wenn wir von der Kapitalbildung durch Arbeits
teilung reden wollen, müssen wir zunächst leider wie
der feststellen, was wir unter Kapital verstehen.
Es ist bezeichnend für die unwissenschaftliche Me
thode unserer Nationalökonomie, daß beinahe jeder, der
über Kapital schreibt, erst erklären muß, was er dar
unter versteht. Der richtige Weg wäre doch der, daß
unsere Gelehrten sich einigten, was sie denn unter
Kapital verstehen wollen,- aber, meines Wissens, ist
hierzu nicht einmal der Versuch gemacht worden. Wenn
àer eine unter Kapital nur jene wirtschaftlichen Güter
versteht, die als Mittel des Gütererwerbes bestimmt
sind, während der andere den Grund und Boden mit
feinen schätzen, und wieder ein anderer die ganze Welt
als Kapital anspricht, dann führt das natürlich zu
en unfruchtbarsten Auseinandersetzungen, genau so,
u^ie wenn sich zwei Naturforscher über die Eigenschaften
cs Wuchses streiten wollten, indem der eine das so
Genannte Pferd, der andere den Meister Neinecke do
vei im Auge hätte.
Um solche Mißverständnisse zu vermeiden, be
schreiten die Naturforscher den einzig richtigen und
wissenschaftlich möglichen weg, sich über die Namen
ihrer Beobachtungsobjekte zu verständigen. Nur die
Uationalökonomie verfährt umgekehrt. Erst hat sie
einen Namen, und nun wird mit ungeheurem Aufwand
von Geistesschärfe zu definieren gesucht, was der Name