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schüsse herauswirtschaften will, dann heisst das die Un
zuträglichkeiten der Verzehrssteuern, die man mit Recht
die progressive Besteuerung des Elendes genannt hat, in
anderer Form wieder einführen.
Will man die Vorteile der Socialisierung in das rechte
Licht stellen, dann muss man nach unserer Ansicht mehr
Gewicht auf das Interesse des Personals und der Oeffent-
lichkeit, als auf die etwa zu gewinnenden Profite legen.
§2.
. Die Lage der Angestellten.
Im allgemeinen sind die. Existenz- und Arbeits
bedingungen des niederen Personals in den Staats- oder
Communalbetrieben besser, als in den Privatunter
nehmungen. „Die Privatgesellschaften,“ so sagt der
schweizerische Bundesrat in seiner Botschaft über den
Rückkauf der schweizerischen Eisenbahnen, „haben das
natürliche Bestreben, die Kosten des Personals auf das
Mindestmass herabzudrücken ; alle verfolgen ersichtlich
das Princip, einige obere Posten sehr gut zu bezahlen
und dafür an den Gehältern und den Löhnen der unteren
Angestellten zu sparen, da sie die grosse Masse bilden,
auch die grösste Ausgabe erheischen.“*) In den öffent
lichen Unternehmungen macht sich vielmehr die entgegen
gesetzte Tendenz bemerkbar.
Nicht, als ob die Bezahlung der Oberen nicht zu
einer anständigen Lebensführung ausreiche ; das niedere
Personal wird sie sogar in der Regel für überreichlich
halten; aber alles ist relativ und häufig ist die Bezahlung
dieser Posten der von der Privatindustrie gewährten so
sehr unterlegen, dass es dieser gelingt, die besten Beamten,
die tüchtigsten Männer und berühmtesten Techniker den
öffentlichen Betrieben abspenstig zu machen.
*) Botschaft des Bundesrats über die Hauptlinien der
schweizerischen Eisenbahnen vom 25. März 1897, pag. 58.