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Welche Variationen dieses Themas haben wir über
uns ergehen lassen müssen, von den unbeholfenen Pam
phleten Eugen Richters bis zu den feinen und geistreichen
Malaiischen Briefen Paul Adams, in denen er uns «ine
ikarische Gesellschaft dort hinter irgendwo in Insulindien
beschreibt, die zwar wundervoll geordnet ist, in der aber
die Freiheit nur noch im Herzen eines alten, an ihren
Strand verschlagenen, spanischen Diplomaten wohnt!
Der Pariser Figaro brachte einmal zum i. Mai eine
Nummer heraus, in der die drei grossen Gesellschafts
ordnungen der Vergangenheit, der Gegenwart und der
Zukunft in sehr pittoresker Weise carikiert wurden: die
absolute Monarchie, die bürgerliche Republik und die
collectivistische Gesellschaft.
Wahrscheinlich nach dem Vorbilde der Menschen
fresser auf den Fidschiinseln, die ihre menschlichen
Schlachtopfer mit dem Namen lange Schweine bezeichnen,
hatte der Zeichner seine Trilogie in die Welt der
Schweine verlegt.
Die absolute Monarchie wurde dargestellt von einem
mächtigen fetten Eber, der vor einem ungeheueren Troge
sass ; auf dem Kopfe trug er die königliche Krone, reicher
Schmuck und Ordensbänder zogen sich um den Leib, und
ein grosses Gefolge umgab ihn, andere, weniger grosse
Schweine, die ihn gegen die eventuellen Angriffe der
mageren und hungrigen Schar plebejischer Schweine
schützten.
Dann kam die bürgerliche Gesellschaftsordnung, das
Regime des Laissez faire, laissez passer: geöffnet waren
die Barrièren, umgestürzt die Gehege, und das Schweine
volk stürzte sich in wilder Gier auf den königlichen Futter
trog, wobei die Grossen die Kleinen zur Seite drängten,
die Stärkeren die Schwächeren niedertrampelten.
Und endlich, durch seine ruhige Symmetrie mit diesem
wilden Gewirre contrastierend, der Zukunftsstaat : eine
Reihe von Schweinen gleicher Grösse, das Ringelschwänz-