Full text : Die Entwickelung zum Socialismus

aufgezwungen  wird  ?  Ganz  abgesehen  davon,  dass  sie
infolge  einer  besseren  Arbeitseinteilung  und  einer  viel
regeren  Teilnahme  aller  Bürger  am  gesellschaftlichen
Werke  notwendig  eintretende  Verkürzung  der  Arbeitszeit
allen  die  schönste,  die  herrlichste  Freiheit  bringen  würde:
die  Möglichkeit,  zu  arbeiten,  um  zu  leben,  und  nicht  mehr
zu  leben,  um  zu  arbeiten,  das  Recht,  ausreichende  Mussestunden
  freien  Arbeiten  oder  dem  Genüsse  zu  widmen,
nach  der  täglichen  Arbeit  jene  Freuden  des  Familienlebens ­
  oder  der  Geselligkeit  auszukosten,  die  heute  der
ungeheuren  Mehrzahl  der  Handarbeiter  unbarmherzig  verschlossen ­
  sind.*)
So  glauben  wir  bewiesen  zu  haben,  dass  vom  Standpunct
  der  Producenten  aus  der  Socialismus,  indem  er  die
Freiheit  der  Ausbeutung  unterdrückt,  die  Freiheit  der
Arbeit  aufblühen  lassen  würde.  Aber  wir  wollen  nicht
vergessen,  dass  man  sich  auch  noch  auf  einen  anderen
Standpunct  stellt  und  sich  auf  das  Interesse  der  Consumenten,
  des  Publicums,  der  Bürger  im  allgemeinen,
beruft.
Für  sie  fürchtet  man  ganz  besonders  —  oder  man
thut  wenigstens  so,  als  ob  man  fürchtete  —  die  Allgewalt ­
  des  Collect!vwillens.
Was  würde  aus  der  Pressfreiheit,  aus  der  Freizügigkeit, ­
  aus  der  freien  Bedürfnisbefriedigung  in  einer  Gesellschaft, ­
  in  der  die  Gesamtheit,  die  nach  Belieben  über
alle  Producte  und  Einrichtungen  verfügt,  widerspenstige
Minoritäten  boykottieren  könnte?  Und  ernsthafte  Männer
führen  uns,  ohne  zu  lachen,  die  unglückseligen  Bürger
des  „Zukunftsstaates“  vor,  die  dazu  verdammt  sind,  ausschliesslich ­
  officielle  Zeitungen  zu  lesen,  ihr  ganzes  Leben
lang  in  denselben  Räumen  desselben  Phalansteriums  zu

*)  Siehe  K  a  u  t  s  k  y  :  Das  Erfurter  Programm  (Stuttgart,
1892)  pag.  166  ff.
            
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