der Mühe lohnen würde, die Tyrannei der Gesamtheit
an Stelle der Tyrannei der Unternehmer zu setzen.
Deshalb haben wir gerade so nachdrücklich auf die
dringende Notwendigkeit hingewiesen, den Staat als Unter
nehmer von dem Staat als rein politischer Organisation
zu differenzieren und der ökonomischen Organisation die
vollständige Unabhängigkeit von der politischen Organi
sation der Gesellschaft zu sichern. Denn solange die
Vermischung zwischen diesen beiden Gebieten besteht,
kann eine Regierung — das sehen wir alle Tage — zum
Nutzen ihrer Vorurteile oder ihrer politischen Interessen
die ökonomische Macht, die ihr die Verwaltung der öffent
lichen Dienste in die Hand giebt, missbrauchen.
Um nur ein Beispiel anzuführen: In dem constitutio-
nellen Belgien, wo die Pressfreiheit fast unbeschränkt ist,
masst sich der Eisenbahnminister das Recht an, den Ver
kauf socialistischer Zeitungen auf den Bahnhöfen und in
anderen Dienstgebäuden zu untersagen.
Man muss aber hinzufügen: Wenn sich dieser selbe
Minister anstatt dieser praktisch bedeutungslosen Chicane
einfallen liesse, einen stärkeren Angriff auf die bürger
lichen Freiheiten zu unternehmen, wenn er z. B. gewisse
Arten von Zeitungen vom Transport und der Verbreitung
durch die Post ausschliessen würde, dann würde er unfehl
bar durch eine allgemeine Auflehnung der öffentlichen
Meinung gestürzt werden.
Man kann sagen, dass heute die Gewohnheiten und
Traditionen der Freiheit stark genug sind, um manchen
Kraftproben stand zu halten.
Und in weit stärkerem Masse würde das in einem
Gesellschaftszustande der Fall sein, in dem die Rechte
besser ausgeglichen undjjene fundamentale Unterscheidung
zwischen der Regierung der Menschen und der Leitung
der wirtschaftlichen Angelegenheiten streng durchgeführt
sein würde. Heute dient der Regierungsapparat im wesent
lichen dazu, die capitalistische Ordnung aufrecht zu er-