Full text : Die Entwickelung zum Socialismus

halten;  je  mehr  sie  die  neue  Ordnung  entwickelt,  um
so  geringer  würde  also  die  Bedeutung  dieses  Apparates
werden.
Unter  diesen  Umständen  fragen  wir  alle  Menschen,
die  die  Dinge  bona  fide  ansehen,  wie  denn  die  Freiheit
gefährdet  werden  könnte,  weil  eine  wachsende  Zahl  autonomer ­
  öffentlicher  Dienste  von  Gesellschafts  wegen  betrieben ­
  werden  würde,  statt,  wie  jetzt,  der  privaten  Ausbeutung ­
  überantwortet  zu  sein?
Ist  heute  schon  das  Publicum  weniger  frei,  wenn  es
auf  einer  Staatsbahn  als  wenn  es  auf  einer  Privatbahn
reist?  Ist  es  weniger  frei,  wenn  es  Wasser  aus  der
städtischen  Leitung  trinkt  oder  den  Hahn  einer  städtischen ­
  Gasleitung  aufdreht,  anstatt  Wasser  oder  Gas  von
privaten  Gesellschaften  zu  entnehmen?  Ist  nicht  ganz
offenbar  die  Vergesellschaftung  der  capitalistischen  Monopole ­
  durch  die  Bürger  einer  Demokratie  sogar  die  Vorbedingung ­
  wirklicher  Freiheit?
Wir  behaupten  gewiss  nicht,  dass  jede  Ausdehnung
der  öffentlichen  Wirksamkeit  ein  Wachsen  der  Freiheit
zur  notwendigen  Folge  haben  müsse.  Im  Gegenteil  können
unzweifelhaft  etwelche  von  den  herrschenden  Classen  in
ihrem  Interesse  vorgenommenen  Verstaatlichungen,  sei  es
zu  den  fiscalischen  Monopolen  der  europäischen
Monarchieen,  sei  es  zu  patriarchalischem  Communismus
der  Jesuiten  in  Paraguay,  oder  endlich  zu  dem  autoritären
Collectivismus  jenes  chineschen  Kaisers  führen,  der  so
lange  schon  für  die  bürgerliche  Presse  einen  Gegenstand
des  Entzückens  bildet.  Diejenigen  aber,  die  mit  solchen
Argumenten  gegen  den  demokratischen  SocialiSmus  zu
Felde  ziehen,  sollten  doch  folgendes  bedenken:  um  sein
Ziel  zu  erreichen,  um  im  Interesse  der  Gesamtheit  das
capitalistische  Eigentum  in  gesellschaftliches  Eigentum
umzuformen,  wird  das  Proletariat  eine  solche  organisatorische ­
  Kraft  aufwenden,  solche  moralischen  und  intellectuellen
  Fortschritte  realisieren  müssen,  dass  die  Annahme,
            
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