Full text : Die Entwickelung zum Socialismus

schäftsführer  eines  communistischen  Staates  vorher  sagen
können,  dass  diese  Satelliten  einst  die  Herstellung  besserer
Karten  ermöglichen  und  diese  Karten  die  Handelsflotte
vor  drohenden  Schiffbrüchen  bewahren  würden?  Musse
und  Müssiggang  haben,  so  verhasst  sie  dem  Handarbeiter
(bei  anderen  Leuten)  sind,  neben  ihren  Nachteilen  doch
auch  Vorzüge;  sie  bringen  nicht  selten  Nutzen,  sind  sogar
eine  gesellschaftliche  Notwendigkeit.  Wenn  die  ganze
Welt  im  Joch  stöhnte,  hätten  wir  keine  idealen  Schwärmer,
fehlten  uns  die  scheinbar  müssigen  Träumer,  wie  man  die
Sokrates,  Archimedes,  Laplace  ebenso  wie  die  Dante,
Shakespeare,  Lamartine  nennt.“*)
Kurz  und  gut:  nach  Fouillées  Ansicht  wird  eine
socialistische  Gesellschaft  zwar  Kohl  bauen,  sich  aber
wenig  um  die  Rosenzucht  kümmern.  Ihre  ganze  Kraft
würde  in  der  Sorge  für  die  Production  verzehrt  werden.
Jeder  hätte  gewiss,  was  er  unbedingt  braucht,  aber  keiner
den  holden  Ueberfluss.  Und  gerade  vom  Ueberfluss  der
Reichen  leben  ja  die  Künstler,  gerade  das  arbeitslose  Einkommen ­
  giebt  den  Poeten  Musse;  die  Abschaffung  des
capitalistischen  Reichtums  (bedeutet  also  die  Herabdrückung ­
  der  zukünftigen  Aesthetik  auf  das  traurige
Niveau  officieller  Kunst.
Bevor  ich  auf  diese  kritischen  Bemerkungen  antworte,
muss  ich  einen  grundsätzlichen  Irrtum  beseitigen.
Alle  Socialisten,  sogar  die  „materialistischen“,  würden
gemeinsam  mit  Fouillée  die  bis  zur  Banalität  zweifellose
Wahrheit  anerkennen,  „dass  eine  collectivistische  Gesellschaft, ­
  die  versuchte,  die  geistige  Arbeit  ebenso  wie  die
Handarbeit  administrativ  und  bureaukratisch  zu  regeln,
jede  Regung  des  Erfindergeistes,  jeden  socialen,  aber
zugleich  auch  jeden  wirtschaftlichen  Fortschritt  hemmen
würde.“  Zu  unserem  Bedauern  stimmt  aber  Fouillée  darin

*)  Fouillée:  Le  travail  mental  et  le  collectiviste  matérialiste ­
  (Revue  des  Deux  Mondes,  Mai  1900,  pag.  121  und  122).
            
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