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industrie: Saffiangerber, Futteralarbeiter, Portefeuillisten
u. s. w.; in der Holzindustrie: beinahe die ganze Gruppe
der Kunsttischler, Täfler u. s. w. ; in. einer Reihe von
gewöhnlichen oder kostbaren Metallarbeiten.“
Aber sogar in diesen Productionszweigen zeigt das
eine sehr häufige Annäherung an das Fabriksystem neben
abhängigkeit der Producenten, die individualistische Or
ganisation der Werkstatt und mehr noch der Unter
nehmungen, die Tendenz zu verschwinden.
Bald ist es die Grossindustrie, die Bresche legt, die
Manufactur und die Fabrik, die dem Handwerk eine sieg
hafte Concurrenz bereiten : die Brotfabrik ersetzt den
Bäcker, die Möbelfabrication versclavt den selbständigen
Kunsttischler.*)
Bald halten sich die alten Productionsformen durch
eine sehr häufige Annäherung an das Fabriksystem neben
den neuen. Die Handarbeit bleibt bestehen, der kleine
Handwerker behält seine Werkstatt allein oder mit seiner
Familie oder mit einer oder zwei Hilfskräften; aber infolge
der Ausdehnung des Marktes schiebt sich ein Zwischen
händler zwischen den Producenten und den Consumenten,
das Handwerk verwandelt sich in Hausindustrie, in
Collectivfabrication.**)
Vom technischen Gesichtspuncte aus ist nichts oder
so gut wie nichts geändert worden. Vom socialen Gesichts
puncte aus bedeutet das eine vollständige Umwälzung:
an Stelle der unabhängigen Producenten, die für eigene
*) In der Revue du Travail vom December 1899 heisst
cs auf Seite 1293 in einem Berichte aus Soignies (Hennegau):
„Die Tischlerei in der Provinz klagt sehr stark über die Ver
mehrung der Brüsseler Concurrenz; in Brüssel werden die Möbel
fabriken immer zahlreicher, und die Maschinen werden immer
mehr vervollkommnet.“
**) Leplay versteht unter Collectivfabrik jene Organisations
form „der Grossindustrie, bei der der Unternehmer den Vertrieb
der Producte centralisiert, die von einer industriellen Bevöl
kerung für Rechnung dieses Unternehmers in besonderen Werk
stätten oder im Hause hergestellt werden.“
Vandervelile: Die Entwickelung znm Socialismus. 4