Full text : Die Entwickelung zum Socialismus

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ganges,  das  kennzeichnet  fast  immer  die  bedauernswerte
Lage  des  Heimarbeiters,  und  ganz  besonders  von  dem
Augenblick  ab,  wo  die  Maschine  ihm  Concurrenz  macht.
Man  sagt,  er  sei  Herr  über  seine  Zeit:  es  existiert
keine  Arbeitsordnung,  die  ihm  Vorschriften  macht  ;  kein
Meister  überwacht  ihn.  Aber  was  nützt  die  Unabhängigkeit ­
  von  einem  Meister  denjenigen,  die  den  Hunger  als
Galeerenwächter  über  sich  haben;  was  nützt  den  Leuten,
die  ohne  Rast  und  Ruhe  Tag  und  Nacht  arbeiten  müssen,
dass  sie  nicht  durch  eine  Fabrikordnung  gebunden  sind?*)
Steinlen  führt  uns  in  einer  seiner  Zeichnungen  (Die
Freuden  des  Sommers)  eine  Schneiderin  vor,  die  beim  Erwachen ­
  des  Tages,  während  die  ersten  Strahlen  der
Morgensonne  in  ihre  Mansarde  fallen,  die  Lampe  auslöscht ­
  und  ¡die  göttliche  Klarheit  des  Morgenhimmels  mit
den  bitteren  Worten  begrüsst  :  „Endlich  wird  es  F  rühjahr
  und  ich  kann  jeden  Tag  drei  Stunden  Petroleum
sparen  I“  Wäre  für  diese  Unglückselige  nicht  besser,  wenn
sie  in  einer  Fabrik  arbeitete  und  dort  zur  harten,  aber
wenigstens  durch  Gesetz  und  Fabrikordnung  beschränkten
Arbeit  verpflichtet  wäre  ?
Nirgends,  mit  Ausnahme  vielleicht  der  bäuerlichen

*)  Office  du  Travail.  L’industrie  du  vêtement  à  Paris,
1896,  pag.  501:  „Vor  dem  Gesetz  vom  2.  November  1892  über
die  Arbeitszeit  der  Frauen  und  Bergarbeiter  ....  war  in  der
stillen  Zeit  der  zehnstündige,  in  der  lebhafteren  Zeit  der  zwölfstündige
  Arbeitstag  die  Regel.  Infolge  der  herrischen  Phantasie'
der  Kunden,  der  Gleichgiltigkeit  der  Unternehmer  und  der
Parteilichkeit  der  Directricen  konnte  man  manchmal  sogar  44
Arbeitsstunden  in  drei  Tagen  (12  Stunden  —  20  Stunden  —  12
Stunden)  nachweisen.  Die  Arbeitsbücher,  die  genaue  Angaben
über  eine  achtjährige  Arbeitsleistung  von  Arbeiterinnen  enthalten, ­
  gestatten  die  Feststellung  des  Arbeitsmaximums  in
mehreren  der  bekanntesten  Geschäfte.  Da  und  dort  stösst  man
auf  einen  Arbeitstag  von  16  Stunden,  aber  die  bedeutendste
wöchentliche  Arbeitsleistung  dürfte  76  Stunden  betragen.  Ueber
die  Arbeit,  die  sich  die  Arbeiterinnen  danach  noch  mit  nach  Hause
nehmen  (die  „seconde  veillée“),  geben  diese  Arbeitsbücher  keine
Auskunft.  Das  ist  eine  besonders  traurige  Seite  der  Heimarbeit.“
            
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