Full text : Die Entwickelung zum Socialismus

Das  erklärt  die  parodox  erscheinende  Thatsache,  dass
unlängst  in  Brügge  die  Brauer  energisch  die  Abschaffung
der  Concessionspflicht  für  Schnapshändler  verlangten,  während ­
  sie  doch  auf  den  ersten  Blick  alles  Interesse  an
derartigen  Massnahmen  haben  sollten,  die  die  Einschränkung ­
  des  Schnapsgenusses  bezwecken  und  dadurch  gleichzeitig ­
  den  Bierconsum  heben.
Der  zwischen  der  thatsächlichen  und  der  anscheinenden ­
  Lage  der  Kneipenwirte  bestehende  Gegensatz  vom
Standpuncte  des  Entwickelungsgrades  der  capitalistischen
Concentration,  findet  sich  auch  in  vielen  anderen  Zweigen
des  Kleinhandels  wieder.
In  den  holländischen  Städten  z.  B.  sind  die  meisten
Bäckereien  nichts  anderes  als  Depots  von  capitalistischen ­
  Fabriken.  Macrosty  constatiert  in  einem  Artikel
der  Contemporary  Review  vom  März  1899,  dass  sich  die
meisten  Restaurants  in  London  in  den  Händen  von  vier
oder  fünf  Firmen  befinden;  ebenso  steht  es  mit  dem
Milchhandel.  Die  Apotheken  und  die  Cigarrenhandlungen
unterliegen  einem  ähnlichen  Schicksal:  eine  einzige  Gesellschaft ­
  besitzt  hundert  Cigarrenläden.*)
So  kann  man  also  die  unzähligen  Handelsunternehmungen, ­
  die  in  den  officiellen  Gewerbezählungen
figurieren,  in  drei  Classen  einteilen:
1.  solche,  die  zwar  statistisch  Einheiten  darstellen,  in
Wirklichkeit  aber  nur  Depots,  Filialen  von  capitalistischen ­
  oder  genossenschaftlichen  Grossunternehmungen ­
  sind;
2.  solche,  die  ihrem  Inhaber  nur  einen  Zuschuss  zu
seinem  Einkommen  oder  Lohn  bringen;
3.  endlich  solche,  die  thatsächlich  unabhängige  Unternehmungen ­
  sind  und  deren  Inventar  das  persönliche
Eigentum  des  Kleinhändlers  ist.

*)  Kautsky:  Bernstein  und  das  socialdemokratische  Programm, ­
  pag.  65.
            
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