Manes, Errichtung einer Zentralstelle zur Sammlung aller Materialien usw. 43
Ausschußsitzung meinte, nach seiner Erfahrung im Amte müsse er
gestehen, daß man insbesondere für das Ausland nur sehr schlechtes
Material habe, und das wenige, was man habe, sei so zerstreut, daß
es für die praktischen Zwecke nicht nutzbar zu machen sei. Es
würde viele Monate und Jahre dauern, um das Material zusammenzustellen
und nutzbringend zu verwerten. Deshalb glaubte Herr
Präsident Grüner, eine finanzielle Unterstützung durch das Reich
zur Schaffung einer solchen Zentralstelle warm befürworten zu
müssen. Ich darf vielleicht aus meiner eigenen Erfahrung während
der zwei Jahre, seit welchen ich die Bibliothek des Deutschen Vereins
für Versicherungs-Wissenschaft zu leiten habe, hinzufügen, daß in
zahlreichen Fällen, in denen Theoretiker oder Praktiker Nachfrage
nach versicherungswissenschaftlichen Schriften hielten, ich ihnen
sagen mußte, in Deutschland könnten sie die Schriften nicht haben,
sie müßten nach Utrecht reisen oder nach New York, um die Werke
einzusehen. Eine wesentliche Förderung könnte eine solche Zentralstelle
dadurch erfahren, daß, wie Herr Professor Emminghaus vorschlug,
die diplomatischen Vertreter des Reichs in allen Staaten, in
denen überhaupt vom Versicherungswesen die Rede ist, beauftragt
würden, alle offiziellen Veröffentlichungen in den betreffenden Staaten
zu beschaffen.
Von welchem Vorteile für die Theorie, für die Praxis, für die
Gesetzgebung eine solche internationale Zentralstelle ist, zeigt u. a.
das Internationale Arbeitsamt in Basel, dessen Leistungen Ihnen
wohl alle bekannt sind, zeigt die Zentralstelle für Arbeiter-Wohlfahrtseinrichtungen
hier in Berlin.
Ein gemeinsames Vorgehen der Reichsverwaltung und
des Deutschen Vereins für Versicherungs-Wissenschaft,
der einen ansehnlichen Grundstock für eine solche Zentralstelle bereits
besitzt, dürfte als die beste Lösung dieser Frage erscheinen.
Die Zentralstelle hätte nicht nur die Sammlung und Sichtung
der gesamten Materialien vorzunehmen, sondern auch durch Herausgabe
entsprechender Kataloge, durch sofortige Veröffentlichung aller
neuer Gesetzentwürfe und ähnlicher Erscheinungen des Auslandes
allen Interessenten in ebenso zuverlässiger wie erschöpfender Weise
die Materialien zugänglich zu machen — etwa nach Art des Handels-Archivs
oder des Bulletins des internationalen Arbeitsamtes.
Aufs engste verbunden mit dieser Einrichtung wäre eine Förderung
der versicherungswissenschaftlichen Literatur durch Preisausschreiben
und durch die Verleihung von Stipendien. Was
diese letzteren anbelangt, so müßten die Stipendien freilich nicht
dem Zwecke dienen, dadurch den Einzelnen zu fördern, sondern die
gesamte Wissenschaft. Nur bereits als tüchtig anerkannte Fachleute
dürften solche erhalten und nur unter der Verpflichtung, ihre Erfahrungen
der Allgemeinheit kundzugeben.
Daß auch die internationalen Kongresse für Versicherungswissenschaft
ein wirksames Förderungsmittel der Wissenschaft sind,
hat die Reichsverwaltung, insbesondere gelegentlich des New Yorker
Kongresses durch die Entsendung dreier Kommissare anerkannt.