Full text : Vorschläge zur Förderung der Versicherungs-Wissenschaft

Nachtrag,

Einführung  des  Medizinbeflissenen  in  die  Versicherungswissenschaft. ­
 1 )
Gutachten  von  Dr.  metí.  Leopold  Feil  ehe  n  fel  d-Berlin.
A.  Die  Unfallheilkunde.
Die  Kenntnis  der  Unfallheilkunde  gehört  in  einem  wesentlichen
Teile  zum  Universitätsstudium.  Der  Student  soll  alle  Krankheiten
kennen  lernen.  Daher  müssen  ihm  auch  die  durch  Unfälle  entstandenen ­
  Leiden  bekannt  sein.  Dabei  kann  man  die  praktische
Seite  berühren,  ohne  jedoch  durch  ihre  zu  große  Betonung  verwirrend ­
  zu  wirken.  Die  Folgen  des  Unfalls  müssen  gezeigt  und  die
Verfasser  hatte  sich  zum  Worte  gemeldet,  war  aber  bei  Aufruf  nicht  anwesend. ­
  Sein  schriftlich  eingereichtes  Gutachten  gelangt  daher  hier  zum  Abdruck.
Dazu  bemerkt  Verfasser,  daß  er  einen  anderen  Standpunkt  einnehme,  als  die
Juristen  und  Mathematiker.  Wenn  diese  die  Gefahr  der  Überproduktion  an  Spezialisten ­
  im  Versicherungsfache  bei  Gründung  von  Akademien  lediglich  für  die
Versicherungswissenschaft  befürchteten,  so  lägen  bei  den  Medizinern  die  Verhältnisse ­
  ganz  anders.  Jedenfalls  sei  hier  keine  Überproduktion  zu  befürchten.  Staat
und  Versicherung  haben  im  Gegenteil  das  größte  Interesse  daran,  daß  alle  Ärzte
ohne  Ausnahme  sich  auf  das  gründlichste  mit  der  Versicherungswissenschaft
vertraut  machen.  Man  kann  hier  die  Mitwirkung  keines  Mitgliedes  der  Ärzteschaft
entbehren,  weil  Unkenntnis  der  einschlägigen  Verhältnisse  schwere  Folgen  für
die  betreffenden  Institute  haben  kann.  Darum  muß  die  Verbreitung  der  Versicherungswissenschaft ­
  auf  allen  Wegen  versucht  und  von  vornherein  als  eine
ganz  allgemeine  intendiert  werden.
In  diesem  Sinne  ist  der  Lehrplan  entworfen  worden.
Zu  den  Ausführungen  des  Herrn  Direktors  Dr.  Bisehoff  fügt  Verfasser
hinzu,  daß  sie  die  größte  Würdigung  verdienen,  weil  er  auf  die  Notwendigkeit
hinweise,  die  Versicherungswissenschaft  zunächst  weiterzuentwickeln  und  auszugestalten. ­
  Auch  in  der  Medizin  müsse  diese  Entwicklung  neben  der  Verbreitung ­
  der  Wissenschaft  einhergehen.  Hierfür  scheine  aber  in  erster  Reihe  die
Sammlung  eines  brauchbaren  Materials  nötig.  Zu  diesem  Zwecke  empfehle  sich,
geeignete  Formulare  zu  entwerfen,  die  den  Herren  Revisionsärzten  der  großen
Versicherungsanstalt  übergeben  werden  sollen  und  von  diesen  ausgefüllt  an  eine
literarische  Zentralstelle  geschickt  werden  zur  späteren  Verarbeitung.  Diese
Formulare  sollten  enthalten:
1.  Fälle  von  Ablehnung  bei  der  Lebensversicherung,
2.  Fälle  von  Annahme  bei  der  Lebensversicherung  trotz  verschiedener
Bedenken  (Versicherung  minderwertiger  Leben),
3.  Todesfälle  bei  Versicherungen  unter  zehnjähriger  Dauer,
4.  Fälle  von  Täuschungen  bei  der  Unfallversicherung,
5.  Fälle  von  gewöhnlicher  Entscheidung  bei  der  Unfallversicherung,
6.  Fälle  von  Invalidität  bei  der  Unfallversicherung.
            
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