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Fünfter Teil. Verkehr. I. Zur Geschichte des Verkehrs.
Einem anderen römischen Kaiser war es vorbehalten, für die Griechen etwas
Großartiges zu schaffen. Es war dies Hadrian. Dieser war darin ein echter Römer,
daß er die hohe Bedeutung guter Verbindungsmittel, wohlerhaltener Heerstraßen
für den Wohlstand der Provinzen ganz besonders zu würdigen wußte. Und so
nahm er denn sogleich Veranlassung, den Griechen von Achaia, die wohl schon
lange weder Sinn noch Mittel für großartige interkantonale Anlagen dieser Art
hatten, gerade aus einem für den Binnenverkehr überaus wichtigen Punkte der
Provinz eine Straße zu schaffen, die den Griechen ein Musterbild römischer Energie
in Überwältigung der Naturhindernisse bieten konnte. Die Wege aus dem Peloponnes
nach den mittleren Kantonen Griechenlands waren zu keiner Zeit in besonders gutem
Zustande gewesen; vor allem aber hatte der uralte politische Hader unter den Hellenen
es niemals dazu kommen lassen, daß der kürzeste Weg über die isthmischen Land
schaften, der Weg von Korinth nach Megara, dieselbe Straße, die die lebhafteste
Verkehrslinie zwischen dem griechischen Norden und dem Peloponnes abgab, aus
einem höchst beschwerlichen, ja unter Umständen gefährlichen Bergpfade zu einer
Straße umgestaltet wurde, wie sie eines alten Kulturlandes würdig gewesen wäre.
Vor allem gefährlich war (wie heute wieder in erhöhtem Maße) namentlich eine
Strecke, der verrufene Weg am Strande des Saronischen Meerbusens, die Skironische
Klippenstraße, die, — eine Stunde von Megara anhebend — heutzutage mit dem
bezeichnenden Namen Kaki-Skala belegt, über die Klippen der schmalen Küsten
terrasse hinführt.
An diesem Wege erprobte Hadrian seine Kraft, und dank den Mitteln, die er
in Bewegung setzen konnte, stellte er auf diesem Wege durch umfassende Fels
arbeiten und kolossale Unterbauten eine sichere, breite und bequeme Kunststraße
her, auf welcher auch Lastwagen bequem nebeneinander fahren und einander aus
weichen konnten. Die Länge dieses Küstenpasses wurde im Altertum beiläufig
auf 6000 Schritte berechnet. Überreste von den riesigen Substruktionen Hadrians
hangen noch heute an den Felsenwänden, sonst aber ist der Weg heutzutage durch
Verwitterung und durch wiederholte Zerstörung während der neueren Kriege in
solchem Zustande, daß man die Möglichkeit jenes Straßenbaues an dieser Stelle
kaum mehr begreifen kann.
3. Deutsches Verkehrswesen im Mittelalter.
Von Wilhelm Götz.
G ö tz, Die Verkehrswege im Dienste des Welthandels. Stuttgart, Ferdinand Enke, 1888.
S. 847—554.
Festbodenstraßen. Die Zahl der Verbindungswege zwischen den ein
zelnen Landschaften und Hauptorten der deutschen Territorien und ihrer Nachbar
länder war sehr groß. Wenn diese Linien Straßen gewesen wären, d. h. baulich
wvhlgehaltene Wegkörper, dann würde namentlich Mittel- und Westdeutschland von
einem Netz, wie es heute Württemberg aufweist, überspannen gewesen sein. Allein
die damaligen Verkehrswege waren in der Regel, d. h. fast ihrer gesamten Strecke
nach nur festgefahrene und -getretene Gleise mit den notwendigsten Brücken über
furtlose Gewässer. Nur spärlich half Einwurf von Steinen über größere Vertiefungen
und die Querlagerung sog. Klüpfelhölzer, d. h. dünnerer Stammabschnitte, über
morastige Stellen hinweg. Man zog also, soweit nicht etwa wohlbewachte Kornsaat
seitlich hinderte, wie heute in den Pußten oder in Bulgariens Grasflächen, ein Gleis
neben das andere, je nach dem Einfluß der Witterung auf die Gleise, welche der
betreffende Wagen vorfand.