Allgemeine Lage
des gewerblichen
Mittelstandes.
I. Abschnitt.
Reflexionen über Stimmungs- und Siluationsbilder ans dem Leben
des gewerblichen Mittelstandes.
§ l.
Tiefe Niedergeschlagenheit ist gegenwärtig die Signatur für das Erwerbsleben
des geschäftlichen Mittelstandes in Stadt und Land. Sie kann niemand
verborgen bleiben, der es nur der Mühe wert erachtet, sich über die Stimmung
in den betreffenden Kreisen zu orientieren.
Und es ist schon der Mühe wert, zu wissen, wie die vielen Millionen Kaufleute
und Handwerker denken und fühlen, welche in ihrer Gesamtheit durch die
Wucht ihrer Zahl für den Bestand unseres Staatswesens bei befriedigenden
Wirtschaftsverhältnissen gegen den sozialdemokratischen Ansturm ein unüberwindliches
Bollwerk sind, bei zerstörter Wohlfahrt aber zu einer doppelt gefährlichen
nivellierenden Triebsandbank werden müssen.
Es ist auch gar nicht schwer, die Stimmung zu erfahren und zu verstehen,
ja es ist fast unmöglich, sich der Kenntnis und dem Mitgefühl zu entziehen.
Denn einerseits gibt es Zeitungen genug, welche in aller Offenheit Tag für Tag
von der unheilvollen Lage des gewerblichen Mittelstandes berichten, und andrerseits
hat doch auch jeder andauernd selbst Gelegenheit, die sich stetig vermehrenden
und in ihrem Betriebe anwachsenden offenbaren Schädlinge des freien Gewerbeverkehrs,
wie sie allerorten in Konsumvereinen und Warenhäusern entstehen,
mit eigenen Augen zu sehen, und kann sich bei einiger Überlegung sagen, daß
solche enormen Geschäftsverschiebungen einen unheilvollen Zerstörungsprozeß
zahlreicher wirtschaftlicher Existenzen auslösen und die davon Betroffenen mit
Angst und Bitterkeit erfüllen müssen.
§2.
So ist denn auch in der Tat die verzweifelte Lage des gewerblichen Mittelstandes
als solche kein Geheilnnis, sie tvird nirgends und von niemand bestritten,
Ä^gewerbttchm^ber das Verhalten zu ihr ist sehr verschieden.
Mittelstmides. Bei den Männern schwankt es je nach der Parteistellung der einzelnen
zwischen der aufrichtigen Schadenfreude, vereinigt mit dem Streben, die Not-