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Konsumvereine sich zum Gegenteil von dem auswachsen würden, wozu sie gedacht
waren. Jetzt, wo wir es wissen, muß Remedur eintreten.
§20.
Die letzte Ursache für die frühere Möglichkeit der Zulassung der Konsum- Notwendigkett^r
vereine liegt in der Unterlassung einer scharfen juristischen Deşinition für den Definition des «e-Begriff
der Selbsthilfe auf wirtschaftlichem Gebiet. Man hätte wohl darin vor- uchc Selbsthilfe-,
sichtiger sein können, denn auf rechtlichem Gebiet ist der Begriff genau festgelegt
und seine Betätigung auf das schärfste verboten, abgesehen von ganz bestimmten
Fällen der Notwehr. Das geht hier so weit, daß erst vor wenigen Monaten eine
allgemeine Erregung durch Deutschland brauste, als man hörte, ein Beamter in
Spandau sei deswegen zu Strafe und Schmerzensgeld verurteilt, weil er dem
Schänder seiner minderjährigen Tochter auf frischer Tat eine tüchtige Tracht
Prügel verabfolgt hatte. So streng ist das Verbot der Selbsthilfe auf dem Gebiete
des Rechts.
Ließ sich bei dieser Grundlage unseres Rechtsstaates nicht erwarten, daß bei
vollständig Undefiniertem Begriff der Selbsthilfe durch Schaffung so vieler auf
Selbsthilfe beruhender Genossenschaften Schwierigkeiten vorkommen müßten?
Die Schwierigkeiten liegen bei den Konsumvereinen vor aller Augen. Sie
sind entstanden, weil durch diese Vereinigungen der oberste Grundsatz von Schulze-Delitzsch
nicht beachtet ist: Kein Teil der Gesamtheit darf die
Existenzbedingungen eines anderen verletzen! Auf Kosten
der Existenz eines anderen soll sich niemand helfen. Das ist keine Selbsthilfe,
das ist Raub. Wenn hundert Leute sich zusammentun und sich auf Kosten von
zehn anderen helfen, so ist das auch keine Selbsthilfe, sondern Faustrecht, und an die
Zeiten desselben erinnert auch die Geschästspraxis der Konsumvereine. Hier wie
dort sind die Geschäftsleute die Hauptleidtragenden.
Nationalökonomisch ist die Richtigkeit des Satzes auch sofort einleuchtend.
Denn wie kann ein Volk vorwärts kommen, wenn sich die
Volksgenossen gegenseitig ruinieren?
Dieses ABC der Nationalökonomie muß jeder anerkennen. Es wird doch
auch kein Mensch reicher, wenn er sein Geld aus der rechten in die linke Hosentasche
steckt. Ebensowenig wird ein Volk reicher, wenn Teile von ihm sich auf
Kosten von anderen Vorteile verschaffen,' das Volk kommt aber direkt zurück, wenn
durch planmäßige Organisation zahlreiche Existenzen ruiniert oder, um mit Herrn
Staudinger zu reden, zu „Fronden" an andere genötigt werden. Wenn Herr
Staudinger logisch denkt und entsprechend handeln will, so muß er von diesem
Gesichtspunkt aus sofort der größte Gegner der Konsumvereine werden und mit-