51
734 Personen beschäftigt und eine Million an Rückvergütung auszahlt, gibt außerdem
noch indirekt ca. 500 Menschen, im ganzen also über 1200 Menschen Beschäftigung
und Brot, d. h. 25 Personen ernähren hier schon je einen extra."
Welche zauberwirkende Kraft doch so eine Konsumvereinsdividende nicht
hat! Aus 400 000 Mk. Dividende des Vorwärts in Dresden und 1000 000 Mk.
des großen Plagwitzer Vereins erstehen im Handumdrehen 200 resp. 500 neue,
absolut neue Arbeitsgelegenheiten. Natürlich könnte dann, wenn das richtig
wäre, von einer arbeiterfeindlichen Tendenz der Konsumvereine nicht die Rede
sein. Leider muß ich Herrn Staudinger auch diese Illusion zerstören und
ihn eines zwar niedlichen, aber in den ernsten Rahmen einer nationalökonomischen
Betrachtung nicht hineingehörenden Taschenspielerkunststückes zeihen. Ich will
die Männer erzeugende Saat des Vorwärts zu Dresden in Höhe von 400 000 Mk.
auf ihre Keimfähigkeit prüfen.
Wo waren denn, als der Konsumverein Vorwärts noch nicht bestand, die
400 000 Mk.? Doch offenbar in den Händen der Kaufleute! Hier fanden sie
sich aber nicht auf einmal ein, sondern im Laufe des Jahres nacheinander, wie
sie auch in den Kassen der Vorwärtsläden allmählich eingehen. Steckten nun
wohl die Kaufleute das Geld in die Strümpfe? Mehrere werden davon etwas
gespart haben, ganz ebenso wie es mit der Dividende geschehen wird, im allgemeinen
jedoch wurde ein Teil des Geldes als Geschäftsunkosten (Rollgeld,
Ladenmiete, Annoncen, Auslagen an Handwerker, Beleuchtung,.. . .) sofort wieder
nach der Melodie „Taler, Taler du mußt wandern" auf Reisen geschickt in den
Verkehr, der überschießende Teil setzte durch die eigene Lebenshaltung der Kaufleute
eine entsprechende Anzahl von Arbeitskräften in Bewegung. Jetzt, wo die
400 000 Mk. statt in den Taschen der Kaufleute in denen der Konsumvereinler
sind, erhöhen sie deren Lebenshaltung und lassen genau dieselben Arbeitskräfte,
welche früher für die Kaufleute schafften, nun für die Konsunwereinler „fronen".
Das hebt sich also. Was machen aber die kaufmännischen Arbeitskräfte? Die
bleiben zur freien Disposition und müssen, um nicht zu verhungern, mit den
vorhandenen Arbeitskräften in Konkurrenz treten, sie vergrößern das Angebot
der Arbeiter, der Lohn wird geringer, und der Schaden ist so da, wie ich ihn
geschildert habe.
Ganz kürzlich hatte ich Gelegenheit ein höchst interessantes Kolleg eines
hiesigen Physiologen mit anhören zu dürfen. Es wurde die Funktion der Galle
behandelt. Von diesem bei manchen in keinem guten Geruch stehenden Sekret
sagte der Dozent am Schluß seiner geistvollen Deduktion zusammenfassend, daß
es das Hauptlösungsmittel des Organismus sei. Nur durch die Galle sei es
möglich, einige sonst unlösliche und für den Körper sehr gefährliche Stoffe in
den flüssigen Zustand überzuführen und aus ihren Ablagerungsstätten zu ent-4*