77
Publikum aus einer Person, die noch dazu vielleicht die Waren als Scheinkäuferin
wieder abzuliefern hat. Das ist die „technisch bessere Form des Warenhausbetriebs".
Wer aufpaßt, wird z. B. auch finden, daß billige Massenangebote, welche nur
den Zweck haben, glauben zu machen, daß auch andere nicht ausgezeichnete Artikel
so billig seien, dadurch vor Kauf geschützt werden, daß man Offerten macht zu
einer Zeit, in der man ziemlich sicher ist, daß die Gegenstände wenig gefragt
werden. Bei lange anhaltender Trockenheit stellt man billige Regenschirme, bei
langer Regendauer billige Sonnenschirme aus. Ändert sich das Wetter, so werden
die ausstehenden Schirme flugs hineingenommen, und die sich einstellenden
Käuferinnen hören, daß die gefragten Gegenstände viel teurer geworden sind, weil
die Gelegenheitskäufe schon Liebhaber gefunden haben.
§ 48.
Ganz besonders niederträchtig ist die Art, bestimmte Geschäfte durch dauernd
auffällig billiges Auszeichnen einzelner Gegenstände in den Augen des Publikums Warenhausgeisics.
als teuer zu diskreditieren. Diese heimtückische Manier mag durch folgende Geschichte
illustriert werden:
In irgend einem Schaufenster sieht eine Frau eine Bluse. Sie gefällt ihr,
aber sie ist mit 8 Mk. ausgezeichnet, und das stimmt nicht mit dem Etat. Da
bleibt sie vor dem Fenster eines Warenhauses stehen. Wer beschreibt ihren freudigen
Schreck! Dieselbe Bluse in Form, Stoss und Größe! Und was steht daran?
5 Mark! Rein, so ein Glück! Diesen Betrag hat sie; also hinein in das süße
Geschäft! Klopfenden Herzens fragt sie nach dem Gegenstand, der bald das unruhige
Ding in der Brust selbst bergen soll. In der Tat, es stimmt, es ist kein
Schreibfehler. „Freilich ist man wie überhaupt sehr billig im Auszeichnen gewesen",
aber für 5 Mk. kann die Bluse abgegeben werden. Was schadet es, daß
der Stoff vielleicht minderwertig oder ein kleiner Schnittfehler daran ist. Das
Geschäft wird abgemacht. Ob nicht noch anderes gefällig ist? Einige Kleinigkeiten
werden aus augenblicklicher Dankbarkeit, größere Posten später mitgenommen.
Außerdem ist eine Heroldin für die Solidität des Warenhauses gewonnen,
wie es eine Annonee für 100 Mk. nimmermehr ist.
Ja, fragen wir, hat denn die Frau nicht recht, ihr Erlebnis überall zu
verbreiten? Sie glaubt es gewiß, und doch ist sie die Verbreiterin eines empörenden
Betrugs.
Wenn die Modewarengeschäfte des Ortes ihre neuen Ausstellungen in den
Schaufenstern gemacht haben, dann gehen einige Rayonchefs oder jüngere Vertrauensleute
einiger Warenhäuser hin und sehen zu, ob sie nicht ähnliche oderganz
gleiche Gegenstände haben, wie sie dort ausstehen. Ist dies der Fall, und