was hätten die Leute nicht alles, dann kommt derselbe Gegenstand in das Schaufenster
des Warenhauses, aber mit viel niedrigerem Preis. Wie sieht jetzt
die ganze Sache aus? Unlauterer Wettbewerb in der verwerflichsten Fornì!
Es ist unmöglich, alle die Tricks aufzuzählen, deren sich Warenhäuser sonst noch zur
Anlockung von Kunden bedienen, wie die Ankündigung von Nestertagen, Ausnahmetagen,
ganz besonders billigen Tagen, am Montag für Quirle,
am Dienstag für Seife, am Donnerstag für Konserven. Am Mittwoch sind dann
plötzlich alle Schilder abgemacht, und die erstaunten Kunden erfahren auf einmal,
daß es Ausnahnlen von den Ausnahmetagen gibt, und hören mit verdutzten Gesichtern
die welterschütternde Neuigkeit, daß ohne Verdienst, und zwar ohne großen
Verdienst, auch das größte Warenhaus nicht bestehen kann. Eine lückenlose
Aufzählung aller Kunstgriffe ist aber auch gar nicht nötig, ja sogar schädlich,
weil in ihr trotz der großen Zahl der Knisfe eine geisttötende, ermüdende Einförmigkeit
herrscht. Alle sind nur Variationen des einen Themas: Vorspiegelung
unzutreffender Tatsachen mit unverfrorener Spekulation auf die Urteilslosigkeit
der breiten Masse.
Die meisten Mogeleien fallen sozusagen in das innere Ressort der Waren
Häuser. Daß man aber auch Rayonchefs des Äußeren für diese gewinnbringende
Tätigkeit hat, davon mag eine Erfahrung Zeugnis ablegen, die ich selbst, aber
natürlich nicht in einem Warenhaus, gemacht habe; denn ich selbst habe noch nie
ein solches betreten.
Eines Tages int Jahre 1895 wurde mir gemeldet, daß eine alte Frau mit
zwei großen Leinwandstücken vor der Korridortür stehe und auf das dringendste
bäte, ihr die Ware abzunehmen. „Sie wissen doch", entgeguete ich dem Mädchen,
„daß wir von Hausierern, die meist im Aufträge von Ramschbasaren herumlaufen,
nichts kaufen." „Jawohl, aber die Frau bittet so sehr und will nicht gehen. Sie
tut mir leid." Das rührte mich. Ich ging hin, und nun entwickelte sich folgendes
Gespräch:
„Guten Tag, meine Verehrte, für welches Ramschgeschäft schleppen Sie denn
da die Leinwand herum?"
„Ach du lieber Gott", seufzte die Frau, „ich und für andere herumlaufen!
Ich bin immer eine ehrliche Frau gewesen, wir wohnen in einem Dorfe bei
Frankenhausen am Kyfshäuser. Mein Mann ist schon lange tot, und nun hat mein
Sohn den Webstuhl, und da arbeiten wir alle mit. Nun wird zu Ostern unser
Ältester konfirmiert, und da haben wir ein Schreiben von Herrn .... shier
nannte sie den Namen eines Hallischen Warenhausinhabers) bekommen. Wir
sollten ihm unsere Winterarbeit bringen, er würde sie gut bezahlen, und dann
könnten wir auch gleich alle Konfirmationssachen mitnehmen. Sehen Sie, lieber
Herr, wenn Sie mir die Sachen nicht abkaufen, daun muß ich in das Geschäft, und