80
Ist das nicht ein Hohn auf den alten schönen Spruch: „Gott segne das
ehrbare Handwerk"? Wenn die Sache nicht so ernst loare, man müßte bersten
vor Lachen! Aber sie ist die ernsteste von der Welt, darum nicht lachen, sondern
sich aufmachen und den Angehörigen des schwer bedrohten Mittelstandes klarmachen,
daß sie trotz aller Schwäche und wirtschaftlichen Unsicherheit in ihrer
Gesamtheit stark genug sind, sich gegen die Warenhäuser zu schützen, lvenn sie
nämlich nur unter sich kaufen.
Die Ungeheuer verraten ja selbst durch ihr Geschäftsprinzip, wo ihre schwache
Stelle ist, wo sie verwundbar sind.
Großen Umsatz wollen sie machen, und großen Umsatz m ü s s e n
sie auch machen, wenn ihre granitnen Kartenhäuser nicht zusammenfallen sollen.
Die Tagesspesen sind enorm.
Verhelft also Ihr, soviel an Euch ist, den Leuten nicht dazu, die Umsätze
zu steigern! Der neugegründete Bund der Handwerker, dem ich rechtes Gedeihen
lvünsche, die alten großen Schutzvereinignngen für Handel und Gewerbe, der die
Mittelstandsinteressen so warm vertretende Bund der Landwirte, sie alle mögen
ihre Wanderredner instruieren also zu sprechen: „Laßt doch die Warenhäuser
ihre Pforten noch so weit öffnen, laßt sie ihre Pfannkuchen noch so billig verkaufen,
laßt ihre Musikkapellen noch so schöne Weisen spielen .... aber geht Ihr
Handwerker, Ihr Kaufleute, Ihr Landwirte nicht hin und haltet Eure Frauen
und Töchter ab hinzugehen, auch schon deshalb, damit Ihr sie nicht eines
Tages vom Feuer gebraten, oder durch den Schimpf des Diebstahls gebrandmarkt
wiedererhaltet, dann, ja dann wird Euch allen sofort wesentlich geholfen sein!"
Schon eine Saison-Warenhaussperre würde jedem
zeigen, welche Wunder eine gesunde Mittelstandsp olitik
durch den Mittelstand selber verrichten kann!
Laßt die Frauen der roten Brüder mit den Damen der goldenen Internationale
dort ungestört allein! Denn es sei ferne von mir, den Leuten alle
Kunden wegnehmen zu wollen. S i e mögen die weiten Hallen füllen, wenn sie
können! Euer Geld aber soll Euch nützen!
Das ist eine Art wirtschaftlicher Monroedoktrin. Ihre Geltung will ich
natürlich nicht für alle Zeiten befürworten. Das hieße auch den Teufel austreiben
dirrch Beelzebub. Sie ist nur für die Zeit der jetzigen Not. Ein Rezept für die
schwere Krankheitszeit. So wie auch ein Kranker isoliert wird, daß er erst
Genesung şinde und wieder Kräfte sammele, seinen sonstigen Pflichten nachzukommen,
so soll sich der Mittelstand in seinen Geschäftsansgaben ans sich beschränken
und seine Kräfte nicht an seine Peiniger, die Konsumvereine und Warenhäuser,
vergeuden. Führen ihm dann noch einsichtsvolle Volksgenossen neues Blut